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Konzert mit vielen Farben: Fred Brunner an den Tasten und Schlagzeuger Joachim Gröschel. Fotos: Düll
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Kulturbrauerei bot Tüfteleien und Tanz zum Finale
In der Manege des Klanges ROTHENBURG – „Wir wissen nicht, was rauskommt“, sagt der Mann hinter den Zauberkästen des elektronischen Klaviers. In dieser Bemerkung steckt ein starkes Stück Understatement, denn die „Klangtüftler“, der Augsburger Fred Brunner und Joachim Gröschel aus Rothenburg, sind gestandene Profi-Musiker. Sie können womöglich beinahe alles, was sich auf ein Notenblatt schreiben lässt. Eines allerdings liegt ihnen offenbar überhaupt nicht: ein herkömmliches Konzert zu geben. Entsprechend spannend war die „Klangnacht“, mit der die Kulturbrauerei erneut einen Akzent setzte. Auf hohem Niveau verspielt, fesselten Fred Brunner (Kulturpädagoge und Berufsmusiker) und der studierte Schlagzeuger und Diplom-Musiklehrer Joachim Gröschel ihr Publikum mit einer Fülle an Natur- und Elektronikklängen, mit einer Welt der „Sounds“, die immer wieder auch zur Weltmusik geriet.
Da entführte das trommelnde Heulen bunter Kunststoffröhren ins südostafrikanische Swasiland, da wurden Orgelpfeifen mit dem Mund geblasen. Da schnitt die Stimme im sogenannten „Vocoder“ (eine Art akustischer Zerrspiegel) Fratzen. Da klirrte ein monströser „Slap“-Bass aus den Lautsprechern oder es fegte Zirkusluft durch die mit allerhand Instrumentarium, darunter auch ein Vibraphon, gefüllte Musik-Manege.
Ob heiter und hell, ob elektronisch und experimentell – Brunner und Gröschel entfachten ein Sound-Spektakel mit vielen Facetten. Es hatte grelle Effekte, aber auch Momente, die tiefer ins Gemüt drangen wie etwa die auf dem Vibraphon glänzend inszenierte Hexen-Szene aus Macbeth.
Doch auch auf die Kunst des hellen Zaubers verstehen sich die beiden. Ein mildes Leuchten, eine erhabene Friedlichkeit, eine kontemplative Ruhe geht von manchem ihrer Stücke aus, in denen sich luftige, pulsierende Schlagzeug-Rhythmen mit charismatischen Malereien des elektronischen Klaviers verbinden – derart stimmig, dass man sich an die Atmosphäre eines so legendären Jazz-Rock-Albums wie Miles Davis' „Bitches Brew“ erinnert fühlt.
Auch als Diskothek, sprich als kleiner „Techno“-Tempel macht sich die Brauerei prima, wie der an das Konzert anschließende Teil der Klangnacht mit Diskjockey Stefan Rieken ein weiteres Mal unterschrich.
Er war schon in den 80er-Jahren mit einer rollenden Disko auf Tour. Die Multimedia-Show aus „Dance“, „House“ und an die Wand projizierten, bewegten Grafiken hat Atmosphäre und auch bereits ihre Fan-Gemeinde. Sie passt, wie gesagt, bestens ins besondere Ambiente des Brauhauses.
Insgesamt ein gelungener Abschluss für eine Kunst-Ausstellung mit reichem Rahmen-Programm. Die Kulturbrauerei hat mit ihrer jüngsten „Vorfahrt für Kunst“ weiter an Profil und vor allem an Aufmerksamkeit, sprich Publikum hinzugewonnen.
Die facettenreiche Galerie mit zeitgenössicher Malerei, Bildhauerei, Fotografie und Installationen fand viel Interesse; ebenso die Live-Musik-Veranstaltungen wie die erste „Rothenburg Blues Night“ oder die darauffolgende mit über 200 Gästen ebenfalls sehr gut besuchte Rock-Nacht.
Nicht zu vergessen: der Auftritt des in Wörnitz wohnenden Schauspielers Christfried Peters, der mit seinem temporeichen und tiefsinnigen, satirisch-humoresken Solostück „Konferenz der Körperteile“ gastierte. Jetzt geht die Kulturbrauerei erst einmal in die Winterpause. Pläne fürs nächste Jahr gibt es schon. Man darf gespannt sein.
hd, 24.10.2005 nach oben |
Fränkischer Anzeiger 15.09.2005
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Skulpturen und Gemälde verbinden sich ausdrucksvoll in den Hallen des alten Sudhauses. Foto: Düll
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Besuch der Ausstellung im Brauhaus belohnt mit vielfältigen Eindrücken
Zeitgenössische Kunst als Erlebnis ROTHENBURG – Wer was wählt, ist jedem selbst überlassen. Doch eine Empfehlung zum bevorstehenden Urnengang lässt sich getrost aussprechen: Man könnte den Spaziergang zum Wahllokal am Sonntag mit einem Besuch im alten Brauhaus am Klingentor verbinden. Die aktuelle Ausstellung dort ist mehr als sehenswert. „Vorfahrt für Kunst“, der Titel der Galerie mit Exponaten von 15 Künstlern, lehnt sich wohl nicht zufällig an einen dieser Tage strapazierten Polit-Slogan an. Im engeren Sinne politisch ist die Ausstellung (bis auf eine Facette, die den Irak-Krieg thematisiert) nicht. Dafür besteht die Kulturbrauerei, eine private Initiative, vor ihren selbst gesetzten Maßstäben: Zeitgenössische Kunst wird dem Betrachter zum anschaulichen und sinnlichen Erlebnis. Man braucht kein Kunst-Professor zu sein, um hier seinen Gewinn zu haben. Die sorgfältig konzipierte Galerie hat all das, was Kunst im besten Fall ausmacht. Sie verblüfft, irritiert, eröffnet andere Blickwinkel, bringt die vom Alltag oft gedämpften inneren Saiten zum Schwingen.
Beeindruckend der abgedunkelte Raum mit Werken Erika Ittas. Bei Normallicht besehen wirken ihre gemalten Figuren hell, bisweilen alltäglich mit modischen oder auch übersinnlichen Attributen. Im Schwarzlicht aber verwandeln sie sich in frappierend exotische Wesen.
Viel Hintersinn steckt auch in den Arbeiten von Tina Dorff, geboren im Philadelphia, USA. Die begnadete Zeichnerin verbindet z. B. das klassische Davids-Motiv mit dem Thema der Liebe oder schafft mit einer reichen symbolischen Bildsprache unter dem Eindruck von Krieg und Terror auch ein Bild der Hoffnung.
Kontemplativ konzentriert sich Elisabeth Versl-Waag in ihren Gemälden auf Perspektive, Raum, Licht und Schatten. Dabei entstehen innige Stillleben von klarer Ordnung. Zwischen Traumruhe und Explosion bewegen sich die Gemälde Sissi Janders (eine Ansbacherin, die 1980 als Autodidaktin in Berlin ihren künstlerischen Werdegang begann). Ihre Abstraktionen haben etwas von der Energie des Futurismus, in ihren Körperporträts liegt etwas von der Kraft eines Leonardo. Ausdrucksstark und von ganz eigenem Stil auch die farbenfrohen Gemälde von Fritz W. Desroches. Der gebürtige Haitianer findet die Inspiration für seine lebendigen Landschaftsbilder und fotorealistischen Porträts in der Karibik und in Afrika.
Einen ganz anderen Stil pflegt Lore Jahnel. Die gebürtige Wienerin, die in Künzelsau lebt, präsentiert eine faszinierende Verbindung aus
abstrakter Malerei und Material-Assemblage, feinnervige Strukturen, die mit Relikten wie Federn oder Teilen eines Cello-Halses verwachsen sind.
Große Werke
Überhaupt unterstreicht auch diese Ausstellung, wie gut sich das Brauhaus als Kunstraum für Großformate eignet, so z. B. Gemälde von Michael Thomas, einem gelernten Bühnenmaler, der bereits in der City Hall von San Francisco ausstellte. Er begreift seine Art zu malen als „relativen Realismus“.
Enorme Bildwirkungen erzielt auch der große Unbekannte der Ausstellung. Rico nennt sich der Künstler aus Ansbach, der mit gekonnten Pop-Art-Anleihen, energetischen Kompositionen und apokalyptischen Visionen den Bühnensaal des Brauhauses um tiefe Perspektiven erweitert.
Sozusagen um die Ecke im Foyer begegnet den Besuchern eine ganz andere, eine im Maßstab eher kleinere, aber doch auch reiche künstlerische Welt. Der gebürtige Schwäbisch Gmünder Roland Förstner verwendet gesammelte, von der Natur geformte und umgeformte Materialien,wie Holz oder Eisenmetall, um sie, von ihrem ursprünglichen Zweck entfremdet, in bildhafte Skulpturen zu neuem Sinn zu vereinen. Übersehen sollte man auch die vereinzelten, aber feinen Arbeiten von Ulrich Jäger aus Niederstetten nicht: Sonnen und Drache aus Messing (über der Eingangstüre und im Treppenhaus).
Ein starker Beitrag zur Ausstellung sind auch die digitalen Fotokonzepte von Hans A. Graef, der nicht nur amerikanische Alltagsszenen zu wandfüllenden Foto-Kunstwerken reiht, sondern ebenso den Irak-Krieg mit künstlerischen und teils drastischen Bildern anprangert. Auch das Sammeln verwandelt er in einen ästhetischen Prozess, wie drei Vitrinen, übervoll mit Alltags-Dingen, zeigen.
Last but not least hat die Ausstellung eine markante bildhauerische Komponente. Matthias Rodach (Bad Tölz) und Simone Weik (Biberach, Nürnberg) tragen mit ihren meisterlich gearbeiteten Büsten und Statuen teils aus Stein, aber auch aus Lehm, Bronze oder verdichtetem Tetrapack viel zum Charisma der Galerie bei. Das gilt auch für die Holzskulpturen von Ursula Kensy aus Künzelsau, so zum Beispiel die (allein schon handwerklich begeisternden) Nachbildungen von Reisegepäck.
Die Ausstellung läuft noch bis zum 25. September und ist jeweils zum Wochenende, freitags, samstags und sonntags, von 14.00 bis um 20.00 Uhr geöffnet.
hd, 15.09.2005 nach oben |
Fränkischer Anzeiger 12.09.2005
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Oberbürgermeister Hachtel und Walter Meile von der Kulturbrauerei bei der Eröffnung. Foto: Düll
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Kulturbrauerei hat endlich die verdiente Aufmerksamkeit – Randvoller Saal zur Eröffnung
„Sonderbar“ im besten Sinne ROTHENBURG – „Nichts ist so
mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen
ist“, wird Victor Hugo derzeit
gerne zitiert. Auch die Kulturbrauerei
darf sich davon angesprochen fühlen.
Nach Jahren unermüdlichen Anlaufs
scheinen die regelmäßigen Kunsttage
im Industriedenkmal vor dem Klingentor
jetzt vollends beim kulturinteressierten
Publikum angekommen zu sein.
Das unterstrich die ansehnliche und illustre
Gästeschar, darunter die gesamte
Rathausspitze, die der Eröffnung der
jüngsten Ausstellung mit spürbarer Begeisterung
beiwohnte. Die inzwischen starke Resonanz freut
freilich niemand mehr als die Erfinder
und Macher der Kulturbrauerei um den
Rothenburger Walter Meile, der in einem
bis über die letzten Plätze hinaus
gefüllten Bühnensaal auch Oberbürgermeister
Herbert Hachtel, dessen Stellvertreter
Kurt Förster und Irmgard Mittermeier
als auch eine Reihe von Stadträten
begrüßen konnte sowie nicht zuletzt
freilich Erich Landgraf, den Vorsitzenden
des Kulturforums, dessen Kooperation
mit den Brauhaus-Kunstwochen
gewiss auch eine Grundlage des
Erfolgs sind.
Dabei vergaß Kulturbrauerei-„Chef“
Walter Meile freilich nicht, seine Mitstreiter
Dieter Seiferlein, Jo Knoll, Jürgen
Gerlinger und Johanna Bratejko
und deren Leistung bei der Vorbereitung
zu würdigen. „Kunst ist Arbeit“,
gab er zu bedenken und verhehlte
nicht, dass sich ein Programm wie das
laufende (Titel „Vorfahrt für Kunst“)
am Rande der Finanzierbarkeit bewege.
Einige der Künstler hätten bereits bei
früheren Kulturbrauereien ausgestellt.
Mit Matthias Rodach kehrt auch einer
der Teilnehmer des Bildhauer-Symposiums
nach Rothenburg zurück.
Seiner Skulptur am Galgentor
war leider ein mehr als ärgerliches
Schicksal widerfahren. Unbekannte
stießen sie nachts vom
Sockel, wobei sie zerbrach.
Wieviel echte Sympathie und
Respekt die Stadtoberen der
privaten Kulturinitiative „Kulturbrauerei“
entgegenbringen,
davon zeugte im Besonderen
die Rede des Oberbügermeisters.
Der nämlich wünschte,
dass der, wie er sagte, „sonderbare“
Rahmen noch lange erhalten
bleibe; dabei spielte er auf
die denkbaren konkurrierenden
Verwendungszwecke des Brauhaus-
Geländes an (etwa als Terrain für ein,
von Hachtel selbst vor einiger Zeit favorisiertes
Tagungshotel). Solche Bestrebungen
ruhen – zum Glück möchte
man meinen – derzeit auf Eis.
Eine echte Bereicherung
Um so wärmer ist dafür die Ausstrahlung,
die die Kulturbrauerei derzeit so
anziehend macht. Rätsel gibt das kaum
auf, denn der Mix aus heimischen
Früchten und Vitaminstößen von außen
erweist sich für das Rothenburger Kulturleben
als eine echte Erfrischung und
Bereicherung.
Sicher trägt zum nunmehr voll entfalteten
Magnetismus auch der – vom OB
als im positiven Sinne „sonderbar“ beschriebene
– Charakter des einstigen
Sudhauses bei, dessen dornröschenhafte
bis morbide Atmosphäre einen doch
so beseelten Kunstraum eröffnet.
Davon profitieren die bildnerischen
Werke von diesmal 15 Künstlern, die
erneut auf hohem Niveau, überaus inspiriert
zusammenwirken (Besprechung
folgt). Das exterritoriale Fluidum (man
hat irgendwie den Eindruck, nicht mehr
in Rothenburg, sprich in den Fängen des
Historischen zu sein) – dieses spezielle
Brauhaus-Flair kommt aber auch den
verschiedenen Bühnen-darbietungen
zugute, deren weitere an den kommenden
drei Wochenenden zu erleben sind.
Zur Eröffnung zog die Wachsenberger
Tanzlehrerin Gabriele Emmert das
Publikum mit einem facettenreichen
und ausdrucksstarken Solotanz rund eine
Stunde lang in ihren Bann. Verblüffend
reibungslos gelang ihr dabei der
Wechsel zwischen ästhetischen und kulturellen
Sphären. Ihre „Häutungen“, so
der Titel, führten vom kostümprächtigen
indischen Ganesha-Tanz durch den
künstlichen Glanz des Musicals („Die
Schöne und das Biest“) bis zum Latin-
Jazz zu lodernden Karibik-Klängen.
Beschwörende bis energetische Figuren
griffen nach dem Bühnenraum. Dazwischen
steppten die Füße der Tänzerin
zu „Lord of the Dance“, oder es ruhte
die Szene in der düsteren Anmut des
Mozart-Requiems. Hell schließlich die
Begeisterung: Bravo-Rufe und lang anhaltender
Beifall für Gabriele Emmert,
die durch intensive Fortbildungen u. a.
im irischen Dublin und in Paris ihre
Kunst verfeinert hat.
Auch an den weiteren Wochenenden
bietet die Kulturbrauerei Attraktionen.
So hat am kommenden Samstag, den
17. September die „Rothenburg Blues
Night“ ihre Premiere. Dabei treten die
Gruppen „Spinning Coin“ aus Ansbach
und das heimische Quartett „Harry &
the Nails“ im Brauhaus auf (Beginn ist
um 20 Uhr).
Satirisches Solostück
Eine Woche später, am Freitag,
23. September, ebenfalls 20 Uhr, präsentiert
der in Wörnitz wohnende
Schauspieler Christfried Peters sein
temporeiches und tiefsinniges, satirischhumoreskes
Solostück „Konferenz der
Körperteile“.
Zum Abschluss der laufenden Kunstwochen
im Rothenburger Kulturbrauhaus
steigt am Abend des 24. September
schließlich noch eine große Party.
Unter dem Motto „Nachtzug nach Babylon“
legen die Diskjokeys „Profuse“
und „Gan-g“ auf.
hd, 12.09.2005 nach oben |
Fränkischer Anzeiger 08.09.2005
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Die Stuhlreihen hätten gefüllter sein können, aber für die Premiere auf dem Brauhausgelände konnte man noch zufrieden sein. Foto: Forberg |
Rund 40 Besucher sahen den Musikfilm
Brauhaus-Freiluft-Kino hatte Premiere ROTHENBURG – Einmal mehr wurde (im wahrsten Sinne des Wortes) vorgeführt, wozu sich das alte Brauhausgelände alles eignet. Am Mittwochabend war Premiere des herrlich gelegenen Freiluftkinos. Der Besuch hätte besser sein können, aber das kann sich bis zur letzten Vorstellung am Freitag um 20.15 Uhr noch ändern. Um die vierzig Besucher hatten sich bei Einbruch der Dunkelheit vor der Kulisse des inzwischen als „Kulturbrauhaus“ bekannten Gebäudes eingefunden, um einen Abend im Freiluftkino zu genießen. Das Wetter hätte nicht besser mitspielen können und auch am Donnerstag sah es noch ganz gut aus mit spätsommerlicher Witterung.
Schließlich muss einem ja auch der gezeigte Film entsprechen. Und sicher hat der als Auftakt gezeigte Musikfilm „Crossing the Bridge-The Sound of Istanbul” von Regisseur Fatih Akin ohnehin kein breites Publikum zu erwarten. Der quirlige Film um den Berliner Bassisten Alexander Hacke zeigte das musikalisch Leben der türkischen Musiker mit einem Feuerwerk an Bildern aus der Metropole Istanbul. Trotz kleiner Besucherzahl bei diesem besonderen Film war es ein gelungener Start und eine Bereicherung des kulturellen Angebots der Kulturbrauerei. Fortgesetzt wurde das Programm am Donnerstag mit dem Gewinnerfilm des Max-Ophüls-Preises „Am Tag als Bobby Ewing starb, ein Mutter-Sohn-Drama in einer Landkommune.
Am Freitagabend läuft um 20.15 Uhr die schillernde Familienkomödie „Meeresfrüchte“. Ein Familienurlaub, der als emotionale Achterbahn mit sexuellen Befreiungsschlägen endet. Die Rothenburger und Umlandbewohner wurden in diesem Sommer geradezu verwöhnt mit Freiluft-Kinoangeboten von „Unter den Linden“ über den „Marktplatz“ und die Kulturbrauerei bis Schillingsfürst.
ufo/db, 08.09.2005 nach oben |
Fränkischer Anzeiger 17.06.2005
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Blick über den Tellerrand: Keramik-Kunstwerk von Leonie Böhnel. Foto: Düll |
Die Ausstellung „Grenzenlos“ zeichnet sich durch Ideenkraft und Vielfalt aus
Der künstlerische Blick in die Unendlichkeit ROTHENBURG – „Grenzenlos“ ist nicht gerade das Sympathie-Wort des Jahres. Da denkt man an Europa-Osterweiterung, an entfesselten Kapitalismus, an Münteferings viel zitierten „Heuschrecken“-Vergleich. Dabei ist grenzenlos ein Wort mit vielen, auch hellen Mitbedeutungen. Die aktuelle Ausstellung im Brauhaus vor dem Klingentor zeigt es. Mit ihr bereichert die lokale Initiative „Kulturbrauerei“ die Stadt ein weiteres Mal um eine entscheidende Facette: lebendige zeitgenössische Kunst. Es ist erneut eine angenehm unprovinzielle Kunstschau wie zuvor schon die Berliner Landpartie und die jüngst von heimischen Künstlern gestalteten „Wandlungen“, deren starke Beiträge noch immer nachklingen; z. B die Buch-Illustrationen Doris Pürckhauer-Haburajs oder Christl Straßbergers expressive Abstraktionen, aber auch Highlights wie Hans-Gustaf Weltzers „Wunschkraftverstärker“ (Sperrholzaltärchen) sowie Pawel Komoreks zimmergroße Installation mit ihrer friedvollen und doch zugleich gespannten Atmosphäre.
Solche raumgreifende Ideenkraft zeichnet auch die aktuelle „Gedok“-Galerie aus. Dabei handelt es sich um die Jahresausstellung der fränkischen Gruppe der Gemeinschaft Deutscher und Österreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen (wir berichteten). Die Ausstellung ist reich an charismatischen Werken wie z. B. die unvollendete Strickleiter von Gabi Bauer (Flachs, gesponnen, gestrickt, gefüllt) über dem alten Sudkessel. Unweit davon verbinden sich zwei Installationen „Grenzenlos“ und „Gehzeiten“ von Renate Fukerider: Ein Flügelpaar erhebt sich über 21 abgestellten Schuhen, gemahnt an das Gefühl der grenzenlosen Freiheit. Diese Deutung begegnet auch anderswo, in der schmalstrebigen Weichholz-Skulptur „Über den Wolken“ von Helgi-E. Beggel; ebenso in den vom Kompositionsprinzip der Reihung, der Variationen oder von einer befreiten Formsprache bestimmten Bildern (Ursula Meder, Ruth Böhm, Cilly Vosswinkel, Mechthild Engel). Astrid Rusam überwindet in der Form die materielle Schwere ihrer Eisen-Skulptur.
Eine tiefe Perspektive – wenn man so will die Unendlichkeit zwischen der Einzelheit und dem Ganzen – gelingt Ruth-Eva Karl in ihrer Bild-Reihe „ ...en gros et en detail“ oder auch Renate Ahlsdorf in ihrem Gemälde „Arktis I“.
Doch da sind auch die dionysischen, bedrohlichen Seiten der grenzüberschreitenden Freiheit. Sie klingen in den zu Wildheit drängenden Rhythmen des Bildes „Tabubruch“ von Ilse Feiner an; ebenso im Gemälde-Zyklus („Grenzenloser Hunger“) von Erika Itta, die darin eine monströse rote „Menschenfresserin“ vervielfacht. Karikierend im Stil auch Nana Kutscheras „Funkturm“-Gemälde (zwei Frauen mit absonderlich hohen, speerspitzen Frisuren).
Abstrakt, teils auf der Schwelle zum Monochromen nähern sich andere Künstlerinnen dem Grenzenlosen; so Marie-Luise Sych-Fluck im blauen Bild mit gravierter Glasoberfläche und auch Alena Tomasek sowie Eva Witt in roten, von feinen adernhaften Strukturen durchsetzten Gemälden. Als prädestiniert für das Ausstellungs-Thema erscheint freilich das Informel (die gegenstandslose Malerei). Hierfür stehen die ausdrucksvolle, befreite Formsprache von Susanne Schreyer, Gerti Bräuer, die auf Foto-Film angelegten „Schwingungen“ Edda Schneiders sowie Werke von Karin Waßmer, Dagmar Tränkle, Dagmar Ohrndorf sowie die Draht-Plastiken von Birgid Niedermayr. Nicht zuletzt findet sich auch kongeniale Wortkunst (H. Böhnke, M. Buhl, U. Hoffmann, K. Säckel) inmitten der bildnerischen Vielfalt (insgesamt 55 Arbeiten von 34 Künstlerinnen).
Besonders originell indes sind die winzigen Strickbärchen von Barbara Stocker („Gemeinsam sind wir stark“) oder Mona Weiskopfs „Umhang“, den sie aus Krawatten aus verschiedenen Ländern genäht hat, gefunden auf einem afrikanischen Markt.
Als interessante Einzelstücke begegnen die Gemälde „Engelsschwingen“ von Edith Breitbeil und „Liebespaar unter Bäumen“ von Franziska Hübel-Itta sowie die Ton-Rechtecke von Angelika Krauß. Eine eigenartige Faszination geht von der knapp über den Tellerrand hinausblickenden Figur (Keramik) von Leonie Böhnel aus. Melancholie liegt über den „Straßen in Europa“, wie Renate Christin ihre Installation aus Souvenirs aus der ukrainischen Asphaltierung nennt (begleitet von Musik und Video). Spannung steckt in den Korsettfiguren von Hanne-Lore Limbrunner und in den Skulpturen von Ulli Falke: Zwischen Holzbalken gezwängt stecken eine rote und eine weiße kopfartige Form aus Zellulose. Die eine bleibt im Rahmen, die andere sprengt ihn gerade.
Die Ausstellung läuft bis Sonntag, den 26. Juni. Öffnungszeiten: Di - Sa 16 - 20 Uhr, So 11 - 20 Uhr, Montag geschlossen.
hd, 17.06.2005 nach oben |
Fränkischer Anzeiger 13.06.2005
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Wandfüllende Diaprojektion im dunklen Raum – ergänzt durch Musik, Bewegung und Worte. Foto: Schäfer |
Die Kulturbrauerei erweitert das Feld der Kulturarbeit – „Grenzenlos“ gestartet
Einblick in „grenzenlose“ Kunst ROTHENBURG – Ein sehens- und hörenswertes Erlebnis mit einem künstlerischen und spannenden Spektrum boten die Künstlerinnen der Kunstvereinigung Gedok am Sonntagvormittag bei der Eröffnung ihrer Ausstellung „grenzenlos“ in der Rothenburger Kulturbrauerei – vor vollem Haus. Unter den etwa siebzig Besuchern waren auch Oberbürgermeister Herbert Hachtel und sein Stellvertreter Kurt Förster. „Es ist kein Geheimnis, dass es Frauen in der Kunst immer noch schwerer haben als Männer“, sagte Dr. Andrea Kluxen, Kulturreferentin des Bezirks Mittelfranken. „Das liegt nicht an der Qualität der Arbeiten, sondern vielmehr an der Gesellschaft und am Kunstbetrieb.“ Mit der nachhaltigen Unterstützung von Künstlerinnen und der Konzeption von Ausstellungsprojekten schaffe die Vereinigung von Künstlerinnen und Kunstförderern „einen wichtigen Rahmen für individuelles Kunstschaffen.“ Mit dem Motto „grenzenlos“ sei es gelungen, die Unbegrenztheit von Kunst zu thematisieren.
Jede kulturelle Handlung diene der Horizont- und Bewusstseinserweiterung, so Dr. Andrea Kluxen. „Kunst bietet die Chance, tiefer zu schauen, neue Einsichten zu gewinnen und abseits von selbstgestecken Grenzen, also ‘grenzenlos’ neue Wege zur Sinndeutung zu eröffnen.“ Sie wünschte der Ausstellung ein breites Echo in der Öffentlichkeit und dem Besucher einen fruchtbaren Einblick in „grenzenlose“ Kunst. Die Kulturreferentin des Bezirks war bei ihrem ersten Besuch sehr angetan von der Kulturbrauerei.
Nach dem Thema „Wandlungen“, das Künstlerinnen und Künstler aus Rothenburg und Umgebung erfolgreich umgesetzt haben, ist die Ausstellung „grenzenlos“ mit achtunddreißig Künstlerinnen der Gedok-Gruppe Franken „das wichtigste Unternehmen der Kulturbrauerei bisher“, erklärte Erich Landgraf vom Kulturforum Rothenburg, das die Kulturinitiative unterstützt und fördert. „Dadurch sind die Möglichkeiten der Kulturbrauerei zwar nicht grenzenlos, aber sicher erweitert worden“, meinte er.
Die sehenswerte Ausstellung mit über fünfzig Arbeiten zeigt die ganze Bandbreite künstlerischen Schaffens: figürliche und gegenstandslose Malerei, Skulptur, Fotografie, Kunsthandwerk und Design. Auch Video-Installation und Performance gehören zum Schaffensspektrum. Die Texte der Literatinnen umfassen Lyrik und Prosa. „Wir legen uns keinerlei Grenzen oder Beschränkungen auf“, erklärte die stellvertretende Vorsitzende der Gedok-Gruppe Franken Ruth Bach-Damaskinos, die nebenberuflich als Dozentin für Kunstgeschichte am Bildungszentrum Nürnberg arbeitet.
Wie man Farbe von der Zweidimensionalität der Leinwand befreien und in den Raum tragen kann, bewies die Bildende Künstlerin Agathe Meier. Geleitet von einer Diaprojektion fließen Musik und Sprache in eine Bewegungsimprovisation und münden in eine Reise aus Klang, Farbe und Licht. Die Schauspielerin Silvia Ferstl und die in Bewegung und Tanz ausgebildete Musikpädagogin Susanne Stieß setzten die Performance „Zwischen Erde und Himmel“ vor einer von der AEG geliehenen großen Leinwand um – zum Text von Helga Böhnke „Im Lichtstrahl liegt die Unendlichkeit“ und zu den Tagebucheintragungen von Hans Kettwig. Darin hat er seine Eindrücke vom „Rekordsprung“ aus einem Flugzeug mit dem Fallschirm aus 36 000 Meter Höhe aus der Stratosphäre mit einer Spitzengeschwindigkeit von 400 Stundenkilometern geschildert: „Falle ich...bewege ich mich in Richtung Erde ...oder geschieht etwas anderes ...Unvorstellbares.“
Fulminant der Auftritt von Petra Eisend mit ihren Handtrommeln, denen sie faszinierende Kompositionen entlockt – mit vollem Einsatz und unglaublicher Dynamik. Ihre Rhythmusgeflechte sind auch das Resultat ihrer Auseinandersetzung mit dem westafrikanischen Kulturkreis, den die Diplom-Sozialpädagin und Precussion-Lehrerin auf ihre Art interpretiert.
Die Literatinnen Helga Böhnke, Maria Buhl, Ursula Hoffmann und Käthe Säckel beeindruckten mit ihren Texten zum Thema „grenzenlos“. Einige Auszüge: „Zeit ist befreit“, „Im Kreis verliert der Weg sein Ziel“. Und: „Das Zauberwort für Verführungen lässt Grenzen leicht überschreiten.“
sis, 13.06.2005 nach oben |
 | Holz, Draht, Zellulose: „Im Rahmen bleiben“ – zur Grenzenlosigkeit gehört auch die Begrenzung. Fotos: Schäfer
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Die Kulturbrauerei zeigt künstlerische Arbeiten von Frauen
„Grenzenlos frei“ ROTHENBURG – Welche unterschiedlichen Deutungen über dreißig Künstlerinnen der fränkischen Gedok-Gruppe dem Begriff „grenzenlos“ abgewonnen haben, zeigt die neue Werkeschau in der Kulturbrauerei, die vom 12. bis 26. Juni zu sehen ist. Die Vernissage am kommenden Sonntag um 11 Uhr ist begleitet von einer Performance aus Klang, Farbe und Licht, Kurzlesungen von Literatinnen und einem „Drum Experience“ mit Handtrommeln.
Die Ausstellung zeigt figürliche und gegenstandslose Malerei, Skulpturen, Fotografien, Texte, verschiedene Bereiche des Kunsthandwerks und Design. Fünfundfünfzig Arbeiten spiegeln den weit gefassten und assoziationsreichen Veranstaltungstitel „grenzenlos“ in all seinen Facetten wider. „Grenzenlos“ als unendlich scheinender Raum, als Ort, dem jegliche Begrenzung fehlt, kommt in dem Tryptichon mit dem Titel „Arktis I“ zum Ausdruck.
Farbräume und Farbspiele finden sich auch bei zwei in blauer Farbe gehaltenen Keramiktellern. In einem blickt dabei eine Figur – nicht nur im Wortsinn – über ihren Tellerrand hinaus und eröffnet sich so neue Perspektiven. Dem Gegenteil des Begriffes „grenzenlos“ spürt eine weitere Keramikarbeit nach, die Begrenzungen darstellt, denen der weibliche Körper unterworfen ist, der aber trotz aller Einschnürungen und Korsagen seine weiche Üppigkeit behaupten kann. Dass dem Frauenkörper vor allem aufgrund seiner natürlichen Funktion Einschränkungen auferlegt sind, scheint auch das Gemälde einer Schwangeren zu zeigen. Doch mit den verschwimmenden Konturen lösen sich auch Grenzen und Bindungen des Körperlichen auf.
Grenzenlos kann aber auch das Übermäßige meinen. So widmet sich eine Bilder-Serie dem grenzenlosen Hunger, dargestellt in einer voluminösen menschlichen Figur, einer Menschenfresserin, die ihrem Begehren keinerlei Grenzen auferlegt. Das Überwinden von Grenzen oder Hindernissen kann sich aber auch durch die Fortbewegung mitteilen. Zwei Arbeiten widmen sich dem Fliegen. Die eine symbolisiert dies in zwei übergroßen, in weit ausholenden Formen gehaltenen künstlichen Schwingen und kontrastiert diese befreiende Bewegung durch eine Installation mit Schuhpaaren, die gehend ihre Hindernisse überwinden. In einer anderen Arbeit wurde ein fragiler Flugapparat konstruiert, der dazu einlädt die eigenen Gedanken, die Fantasie „über den Wolken“, so der Titel, frei schweben zu lassen.
Ein verzahntes Europa soll ein Gebilde aus Kupfergliedern symbolisieren, deren Umrissformen den neuen Beitrittsländern nachgeformt sind. Straßen und Wege als Verbindungen über Grenzen hinweg zu sehen, dazu lädt die Installation „Straßen in Europa“ ein. Das Überwinden von Ländergrenzen auf anderen Wegen, nämlich durch kulturelle Transformation zeigt ein Gewand, das aus einer Vielzahl gemusterter, im Grundton roter Krawatten zusammengesetzt ist. Dieser Bestandteil westlicher Männerkleidung stammt von einem Markt in Westafrika und wurde zu einem Jackenmantel für Frauen umgeschneidert.
 | Dieter Seiferlein beim Aufhängen der Kunst-„Strickleiter“ | Dass man das Thema „grenzenlos“ auch mit Humor sehen kann, zeigt eine Strickleiter, deren Arbeit sich unendlich fortsetzen ließe und die gehäkelten Mini-Bärchen, die sich solidarisch zur Internationalen der ganz anderen Art formiert haben. Diese liegt aber nicht nur in der bildlichen Aussage beider Arbeiten, sondern auch in der benutzten Technik. Beide Künstlerinnen nutzen jeweils auf ihre ganz eigene Weise eine als typisch weiblich angesehene und auch gerne belächelte Form der Kreativität: das Stricken und Häkeln.
Die Kunstvereinigung Gedok steht für „Gemeinschaft deutscher und österreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen“ – eine der traditionsreichsten und profiliertesten Künstlervereinigungen im deutschsprachigen Raum. Gegründet wurde Gedok 1926 durch Ida Dehmel in Hamburg mit dem Ziel, weibliche Kunstschaffende zu fördern. So zählten damals prominente und auch heute noch bekannte Künstlerpersönlichkeiten der 20er Jahre wie die Malerin Käthe Kollwitz, die Schriftstellerin Ricarda Huch, Edith Mendelssohn-Bartholdy, Charlotte Behrend-Corinth oder die Schauspielerin Ida Ehre zu den Mitgliedern.
Heute ist Gedok ein Verband von Künstlerinnen und Kunstförderern, der in dreiundzwanzig regionalen Gruppen organisiert ist, darunter die Gedok-Gruppe Franken. Deren sechszehnte Jahresausstellung macht nach der ersten Station im Kunsthaus in Nürnberg nun in der Rothenburger Kulturbrauerei von sich reden. Zur Ausstellungseröffnung sprechen die Kulturreferentin des Bezirkes Mittelfranken, Dr. Andrea Kluxen, und die stellvertretende Vorsitzende der Gedok-Gruppe Franken Ruth Bach-Damaskinos aus Nürnberg. Es gibt zur Ausstellung auch einen Katalog von 76 Seiten mit größtenteils farbigen Abbildungen der gezeigten Werke sowie den Prosa- und Lyriktexten der Literatinnen. Außerdem enthält er die Biografien der beteiligten Künstlerinnen. sis, 09.06.2005 nach oben |
Fränkischer Anzeiger 25.05.2005
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Harry Düll verblüffte mit Gitarre und Gesang. Fotos: bhi |
Gelungene Abschlußveranstaltung im Kulturbrauhaus
Lyrik und Musik ROTHENBURG – Die Kulturbrauerei ist längst „Kult“. Deswegen versammelte sich ein stattliches Publikum jüngst zum Abschluss der Veranstaltungsreihe „Wandlungen“. Drei Lesungen mit musikalischer Begleitung fesselten rund zwei Stunden lang ein immer wieder lang anhaltend applaudierendes Publikum. Walter Meile und Dieter Seiferlein, das unterstützende Kulturforum dürfen stolz auf ihre organisatorische Leistung sein. Wie in einem „Sesam-öffne-dich“ erstrahlten an den pittoresk angebröckelten Mauern die teilweise orientalisch anmutenden Lichtkunstwerke von Willy Kamleiter. Wundersame Atmosphäre für vier Künstler. Bernhard Karlstetter (markant mit Hut) begann nach der Begrüßung durch Walter Meile mit einigen seiner bisher noch unveröffentlichten Kurzgeschichten. Der Altöttinger lebt in Rothenburg nach Reisen durch Südamerika und Australien. In seiner Prosa geistert eine seltsame Spannung, die kafkaeske Züge trägt. Da wird ein Wilderer gegen seinen Wunsch von Jägern ausgezeichnet und muss fortan einer von ihnen sein. Das bedeutet, dass er zum Feind seiner Wilderer-Kumpanen wird. Jahrelang im Gefängnis zu sitzen, wäre die Alternative gewesen. Oberflächlich lakonisch der Stil, aber darunter brodelt es. Ein Fahrkartenautomat gibt bereits gestempelte Streifenkarten heraus – wie beweisen, dass man sie gerade für einiges Geld erworben hatte? Aber eine Angestellte der Bahn beruhigt ihn: „Für die Bahn, wissen sie, zählt nur, dass sie fahren und ein Ticket haben.“ Wohin auch immer, alles ist bei dieser Bahn möglich und zutiefst verunsichernd.
Manfred Kern las aus seinen Mundartgedichten. Auch wenn vielleicht nicht jedes Wort aus seinem Wettringer Dialekt von Unkundigen verstanden wurde: Der Mann hat textlich wie deklamatorisch den Blues und Rock’n’Roll im Dialekt entdeckt. „Verlasse bo mir“ heißt der Band, aus dem er las. Die Mischung aus feinster Beobachtungsgabe und der Fähigkeit, subtile, schwierige Dinge durchaus auch derb auszudrücken, zeichnet ihn aus (so das bisher noch unveröffentlichte Gedicht „Erinnerung annd Moni“). Fünf Bücher (wir berichteten) sind bisher von diesem äußerst heimatverbundenen und dabei hautnah am Zeitgeist lebenden Schriftsteller erschienen – „Und ein sechstes ist unterwegs, kommt im Juni zur Welt“, erklärt er verschmitzt.
 | Poetische Sinnlichkeit: Bernd Gehringer | Das elegant beschuhte Füßchen einer Dame mit weißem Haar wippte rhythmisch. An sich goutieren Damen des reiferen Alters nicht ausnahmslos Gitarrenblues, freche Zwischentexte über „scharfe Weiber“, Fingerpickin’ und einen indianisch aussehenden Typen mit ultralangem Zopf. Aber so kann man sich täuschen. Was Harry Düll mit Gitarre und Gesang zwischen den Lesungen brachte, das war verblüffend, bewegend und ging sofort ins Blut ohne Ansehen der Generation. Mit der Gitarre und dem Blues (zum Beispiel „Crossroads“ von Robert Johnson) wirkte er wie verschmolzen. Die expressive Dynamik seiner Stimme ist unverwechselbar, fast wild und doch fügte sie sich nahtlos ein in die Partitur der Lesung. Vielleicht, weil zu jeder der in der „Kulturbrauerei“ gebotenen Künste eine gute Portion Ungezähmtes gehört.
Ohne Pause ging es weiter. Dieses kleine Manko könnte man vielleicht das nächste Mal bedenken. Mit dem vierten im Bunde, Bernhard Gehringer, kam ein sensitiver Literaturkenner auf die Bühne. Wer sein im Selbstverlag höchst bibliophil ausgestattetes Buch „Ein Hut gibt Auskunft“ (inspiriert durch Erich Kästners „Ein Mann gibt Auskunft“) liest, fühlt so manche Strömung. Doris Pürckhauer Haburaj illustrierte eine „Weihnachtsausgabe“ des Buches, Lisa Gehringer steuerte einen Linolschnitt bei. Christian Andersen, aber auch die Märchen der Brüder Grimm durchziehen den Stil von Gehringer. Thomas Mann ist in der Detailgenauigkeit zu spüren, aber das hat deswegen nichts Kopistisches. Wenn er über ein Thema wie „Schulterblätter“ sowohl ein Gedicht als auch einen poetischen Kurztext macht, spürt man, wie intensiv und sinnlich der Mensch, der im Berufsleben als Seminarlehrer für Deutsch Referendare betreut, mit der Sprache lebt.
Das Publikum war von allen vier Künstlern berührt und geizte nicht mit Lob für die „Wandlungen“. bhi, 25.05.2005 nach oben |
Fränkischer Anzeiger XX.05.2005
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Harry & the Nails. Foto: diba |
Durchstart: „Harry & the Nails
Legenden erweckt ROTHENBURG Angemerkt hat man es ihnen bestimmt nicht, dass sie in dieser Formation ihren ersten öffentlichen Auftritt hatten: Die Band „Harry & the Nails“ sorgte für einen gelungenen musikalisch-rockigen Auftakt bei der Kulturbrauerei-Vernissage. Was die vier Rothenburger am Samstagabend über zwei Stunden lang auf die Brauhausbühne zauberten, das ließ alte Rock- und Blues-Legenden wieder lebendig werden. Schon von den ersten Takten an war klar, dass dieser Abend alles nur nicht langweilig werden würde. Von Anfang an vermittelte die Band das Gefühl, es mit engagierten und erfahrenen Musikern zu tun zu haben. Und das ist begründet, denn die Anfänge reichen bis in die achtziger Jahre zurück.
Schon 1988 heimste die „D.H. Blues Band“ aus Rothenburg auswärts gute Kritiken ein. Schon damals gehörten Harry Düll (Gesang, Gitarre), Mundharmonikaspieler Thomas Rook und Stefan Janetschke (Schlagzeug) dazu, jetzt hat sich als Bassist Michael Grömer dazugesellt. Schon nach den ersten klassischen Stücken war klar, dass unverändert die Kritik von damals gilt: „Düll hat den Blues in der Stimme“ und er beeindruckt durch seine „exzentrische Ausdruckskraft“. Zusammen mit der Blues-Harp, die Thomas Rook perfekt einsetzt, dem Bassisten und Schlagzeuger wird nicht nur zeitloser Blues-Rhythmus zelebriert, sondern auch ein gutes Stück blues-rockiger Atmosphäre rübergebracht. Dazu trägt das bauliche Ambiente im alten Brauhaus in idealer Weise bei.
Wenn das Ganze so stimmig daher- kommt, dann muss nicht mehr nach letzter Perfektion gefragt werden. Die Band überzeugte mit einem energiegeladenen Auftritt, der das Publikum nicht kalt ließ. Herausragende Interpretationen von Willie Dixons „Hoochie Coochie Man“, von „Kansas City“ (Leiber/Stoller) oder „I‘ve got my mojo working“ (Muddy Waters) gehörten zu den Höhepunkten. Es wurden Legenden wieder erweckt. Aber auch die Eigenkompositionen im Repertoire können sich hören lassen! Diese Amateurband spielte auch noch an historischem Ort, denn schon vor 20 Jahren probte man im Alten Brauhaus. Einer kleinen Regionaltournee dürfte nach diesem guten 1 Start nichts mehr im Wege stehen.
db, XX.05.2005 nach oben |
Fränkischer Anzeiger 09.05.2005
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Prächtig illumniert in einer blau hochstehenden Schrift: das Kulturbrauhaus bei Nacht. Fotos: diba |
Guter Start der Kulturbrauerei
Wandlung in vielerlei Hinsicht ROTHENBURG – Die Initiatoren können sich freuen: ein erfolgreicher Auftakt der bis 22. Mai dauernden Ausstellung „Wandlungen“ lohnte die Arbeit der letzten Wochen. Immer mehr wandelt sich dabei das einst verfallende Brauhaus zu einem sehenswerten Kulturtreff. Mit vereinten Kräften haben sie es wieder geschafft und ein längst abgeschrieben gewesenes Gebäude erneut zum Leben erweckt: die Brauhaus-Gruppe, jetzt im Kulturforum beheimatet, eröffnete eine vielseitige und sehenswerte Kunstausstellung mit dem beziehungsreichen Titel „Wandlungen“. Zum Auftaktabend am Samstag hatte man volles Haus und ein erfreulich gemischtes Publikum. Nach kurzen Reden folgte eine fetzige Rocknacht der neuen Rothenburger Gruppe „Harry & the Nails“ (siehe auch morgige Ausgabe), die instrumental und stimmlich positiv überraschte.
Für Wandlungen haben die Brauhausleute selbst die letzten Jahre in vielerlei Hinsicht gesorgt, denn sie wandelten und verwandelten ein dem Verfall preisgegebenes Industriedenkmal, hauchten ihm immer wieder neues Leben ein. Auch jetzt trugen sie mit weiteren Einbauten und Renovierungen – vor allem dem persönlichen Einsatz von Stadtrat Dieter Seiferlein zu verdanken – zur Verfestigung des Baues als Kulturstätte bei, die inzwischen sowohl im Rathaus wie auch bei vielen Firmen und Privatleuten als Sponsoren Unterstützung findet.
Zu Recht verwies Kulturforums-Vorsitzender Erich Landgraf in seiner Begrüßung auf die enormen organisatorischen Anforderungen hin und darauf, dass man fehlendes Geld durch Kreativität und Arbeiteinsatz ersetzen müsse. Das Brauhaus habe seinen besonderen Reiz, aber auch seine Probleme, mit denen sich jeder der Ausstellenden auseinandersetzen müsse. Die Verbindung von Bildender Kunst, Musik und Literatur sei besonders erfreulich und verspreche ein gutes Kulturgebräu.
Alles unterliege Wandlungen und alles fließe, wie die Griechen schon wußten, aber „ein schöner Wandel ist, dass dieses alte Brauhaus ins einer Bausubstanz wieder verbessert und mit Leben erfüllt wurde”, betonte Bürgermeisterin Irmgard Mittermeier, die namens des Stadtrates und Oberbürgermeisters sprach.
 | Alte Brauhaustechnik korrespondiert mit moderner Kunst, geschaffen von Patrick Riefer-Kraus. |
Durch die Nutzung habe man das Haus sicher vor der Abrißbirne bewahrt. Es sei für viele keine lästige Bausubstanz mehr, sondern ein Industriedenkmal geworden. Bürgermeisterin Mittermeier würdigte die Eigeninitiative, die das kulturelle Leben in der Stadt außerordentlich bereichere. Wörtlich sagte sie: „Sie fragen nicht, was kann die Stadt für uns tun, sondern, was können wir für die Stadt tun?” Diese Einstellung verdiene höchste Anerkennung. Man werde die Initiative nach besten Kräften finanziell und ideell unterstützen.
„Wir haben es wieder geschafft, die alte Ruine in einen von Kunst und Licht durchfluteten Raum zu verwandeln. Das Kunstbrauhaus lebt“, betonte Walter Meile, der sich bei allen Unterstützern bedankte. Wandlungen seien ein natürlicher Prozeß in allen Bereichen der Gesellschaft, in Makro- wie Mikrokosmos. Wandlungen geschehen in Sekundenbruchteilen und in Jahrmillionen. Meile: „Wir als Menschen haben die Chance, den Wandel zu gestalten oder nur zu erleiden”. Künstler aus Rothenburg und Umgebung hätten sich der Aufgabe gestellt, das Brauhaus in einen „Ort des Lebens, der Kreativität und Offenheit“ zu verwandeln.
 | Peter Nedwals „King Olaf“ in einer Teilansicht. |
Neben den schon bekannten Künstlern (Peter Nedwal, Gustav Weltzer, Doris Pürckhauer-Haburaj, Bernhard Karlstetter, Burkhard Moser, Eichii Takayama, Pawel Komorek, Petra Freund und Willy Kammleiter) können diesmal auch sechs neue begrüßt werden (Christl Straßberger, Maja Bittner, Christian Haas, Patrick Riefer-Kraus, Johanna Kätzel und Kids). Geöffnet ist die Ausstellung diesmal nur Samstag und Sonntag (sowie Pfingstmontag) jeweils von 14 bis 20 Uhr.
diba, 09.05.2005 nach oben |
Fränkischer Anzeiger 03.05.2005
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Industriedenkmal als Kulturtempel: Die „Brauhaus“-Kulturinitiative vertritt die künstlerische Avantgarde der Region. Foto: Schäfer |
Am Samstag um 20 Uhr Eröffnungsabend im Alten Brauhaus
Vielerlei Wandlungen ROTHENBURG – Die Rothenburger Kulturinitiative „Altes Brauhaus“ eröffnet am kommenden Samstag um 20 Uhr seine neue Reihe „Wandlungen“. Eingebettet in die Ausstellung Kunstschaffender aus Rothenburg und Umgebung sind Musikveranstaltungen und ein „Literarischer Frühschoppen“ Wandlungen finden in allen Bereichen statt: in der Kunst, in Politik, Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft. Selbst das Anlitz der Erde ist einem steten Wandel unterworfen. Menschen haben die Chance, den Wandel zu „gestalten“ oder nur zu „erleiden“. Kunstschaffende aus Rothenburg und Umgebung haben sich der Aufgabe gestellt, das aus der Zeit um 1900 stammende Brauereigebäude mit kreativem Leben zu erfüllen. Fünf Ausstellungen, vier Theaterabende, zwei Vorträge, vier Lesungen und zehn Musikveranstaltungen fanden in den letzten Jahren bereits statt. Bei der neuen Werkeschau vom 7. bis 22. Mai stellen aus: Bernhard Karlstetter, Christian Haas, Burkhard Moser, Christl Straßberger, Doris Pürckhauer-Haburaj, Eiichi Takeyama, Hans-Gustaf Weltzer, Maja Bittner, Pawel Komorek, Peter Nedwal, Petra Freund und Willy Kammleiter. Auch „Kunst in der Schule“ ist zu sehen.
Zur Eröffnung spielt die Rothenburger Band „Harry & the Nails“. Beachtung in der Region fanden Gitarrist und Sänger Harry Düll und Drummer Stefan Janetschke bereits in den Achtzigerjahren (damals D. H. Blues Band). Nach langer Pause haben sie jetzt zusammen mit dem Bassisten Michael Grömer, ebenfalls aus Rothenburg, ein kompaktes Trio auf die Beine gestellt. Ihr Debüt-Programm paart zeitlose Blues-Power mit Stücken aus der eigenen Feder. Last but not least gibt es auch ein Wiedersehen mit Thomas „Rocky“ Rook und seiner mitreißenden Art, die Blues-Harp zum Sprechen zu bringen.
Am Samstag, 14. Mai, spielen ab 15 Uhr unter dem Motto von Frank Zappa „The torture never stops“ mehrere Bands: „Undecided“ (Rothenburg/Uffenheim), „Yer bouti biters“ (Nürnberg), „Aliens & Ghosts“ (Würzburg/Rothenburg) und „Sommerset east“ (Würzburg). Ab 22 Uhr sorgen DJs unter dem Motto „Outside now“ – auch von Frank Zappa – für Stimmung.
Bei der „Latino Club Night“ am Samstag, den 21. Mai, ab 20 Uhr unterhält DJ Rene aus Nürnberg mit einer Latino-House-Mischung, gefolgt von der „Chico Diaz Combo“ aus Rothenburg.
Beim „Literarischen Frühschoppen“ am Sonntag, 22. Mai, um 11 Uhr, lesen drei Literaten aus ihren neuesten Werken. Der in Rothenburg geborene Bernhard Gehringer liest aus einem Buch „Ein Hut gibt Auskunft“. Bernhard Karlstetter liest Kurzerzählungen. Manfred Kern, bekannt für seine fränkische Mundartdichtung, rundet das literarische Erlebnis ab. Für diesen Frühschoppen wurde spezielles Bier gebraut von „Turmbräu“ Rothenburg.
sis, 03.05.2005 nach oben |
Fränkischer Anzeiger 26.04.2005
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Arbeitseinsatz in luftiger Höhe: Kulturaktivisten auf der Hebebühne schlagen lose Putzteile ab. |
Kulturaktivisten mussten hoch hinaus an der Brauhaus-Fassade
Schock in letzter Minute ROTHENBURG – Hoch hinaus musste jetzt überraschend das Team der Kulturbrauerei, um am alten Brauhaus lose Putzstücke zu entfernen. Das Stadtbauamt hatte vorher das Gebäude mit einem Bauzaun abgeriegelt, um Schäden duch herabstürzende Teile vorzubeugen. Die Aufschrift „Betreten verboten“ schockierte die Organisatoren und Künstler der vom 7. bis zum 22. Mai laufenden Ausstellung „Wandlungen“ richtiggehend. Die Vorbereitungen liefen ja schon auf Hochtouren. Jene Putzschäden waren im vergangenen Jahr bereits Thema gewesen. Das Stadtbauamt wollte im Rahmen des Gebäudeunterhalts lose Teile entfernen oder sichern lassen. Es war jedoch nichts unternommen worden. Die Organisatoren stellten deshalb über das Kulturforum, unter dessen Dach sie sich inzwischen begeben hatten, einen offiziellen Antrag an die Stadt. Es sollte etwas zur Sicherung des Brauereigebäudes vorgenommen werden. Was schließlich nicht geschah. Grund: Kürzungen im Bauhaushalt 2005.
Im letzten Winter hatte nun der Frost für eine Verschärfung der Situation gesorgt, so dass das Bauamt dem Bauausschuss empfahl, keine Veranstaltungen im Brauhaus mehr zuzulassen. Zum Glück für die Kulturschaffenden gaben Oberbürgermeister Herbert Hachtel und die Mitglieder des Bauausschusses dem Projekt Kulturbrauerei noch eine Chance. Die Ausstellungsreihe könne fortgesetzt werden, wenn die Fassade gesichert werde.
Kurzerhand besorgte sich daraufhin Teammitglied Dieter Seiferlein eine Hebebühne bei einem Schillingsfürster Unternehmen, das großzügig auf den Mietpreis verzichtete. In zwölfstündiger Eigenleistung wurde die Fassade von allen losen Teilen befreit.
Nun wird noch die schadhafte Elektroinstallation für die Außenbeleuchtung neu verlegt und die Veranstaltungsreihe kann wie geplant laufen. Derweil sitzt der Schock noch tief bei den Kulturschaffenden. Alfred Baum vom Bauamt am Dienstag: „Morgen kommt der Bauzaun wieder weg!“ ww, 26.04.2005 nach oben |
Fränkischer Anzeiger 31.03.2005
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Kunstbrauhaus: Die Rothenburger Kulturinitiative kommt in ihr viertes Jahr. Foto: Schäfer |
Kulturbrauerei hofft auf Unterstützung für neue Veranstaltungen
„Wandlungen“ und „Grenzenlos“ ROTHENBURG – Fünf Ausstellungen, vier Theaterabende, zwei Vorträge, vier Lesungen und zehn Musikveranstaltungen hat die ins vierte Jahr gehende Kulturbrauerei bewerkstelligt. Organisatorisch neu aufgestellt unter dem Dach des Kulturforums wird die Veranstaltungsreihe fortgesetzt. „Wandlungen“ heißt eine Ausstellung, die vom 7. bis 22. Mai im alten Brauhaus stattfindet. Hauptsächlich Künstler aus Rothenburg und Umgebung werden ihre Kreativität darstellen können. Um die Kosten niedrig zu halten, werden die Veranstaltungen diesmal ausschließlich am Wochenende stattfinden. Als Rahmenprogramm sind Konzerte, eine Lesung, eine Buchvorstellung und eventuell auch eine Theateraufführung geplant.
Bei der vom 12. bis 30. Juni geplanten Ausstellung „Grenzenlos“ werden ausschließlich Frauen ihr künstlerisches Können unter Beweis stellen. Der 1926 gegründete Verein Gedok (Gemeinschaft deutscher und österreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen) umfasst heute dreiundzwanzig Gruppen in Deutschland.
Die Kulturbrauerei hat nun die Ehre, die Jahresausstellung von Gedok Franken zu zeigen. Aus 116 Werken von 47 Künstlerinnen wurden 55 Arbeiten von 34 Künstlerinnen ausgewählt. Die Ausstellung ist zurzeit noch in Nürnberg im Kunsthaus bis zum 10. April zu sehen.
Zur Finanzierung der Ausstellungen wurde ein Konto beim Kulturforum angelegt, denn der ehrenamtlich arbeitende kleine Kreis ist auf Unterstützung angewiesen, um solche Kulturprojekte stemmen zu können.
Neben den Kulturaktivitäten wurde auch die Nutzungsmöglichkeit des alten Brauhauses verbessert. Zu Raum, Licht und Garten kamen fließend warmes und kaltes Wasser und funktionierende Toiletten hinzu (nur die Entsorgung muss noch richtig geklärt werden). Es sollte dringend etwas für den Erhalt des Gebäudes getan werden, meinen die Kulturschaffenden.
Die Kulturbrauerei hat sich unter das Dach des Kulturforums gestellt, um die Kräfte zu bündeln. Eine für das Frühjahr angesetzte Aktion „Kunst und Krempel“ wurde auf den Herbst verschoben, „um sich auf die angesetzten zwei Ausstellungen voll und ganz konzentrieren zu können.“
Nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern auch wegen des erforderlichen zeitlichen Aufwandes hat die Kulturbrauerei ihr Programm gekürzt. „Es ist vielleicht besser, nur eine oder zwei Ausstellungen pro Jahr zu machen, aber diese finanziell besser auszustatten,“ heißt es. sis, 31.03.2005 nach oben |
Fränkischer Anzeiger 23.03.2005
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Kulturvereinsvorsitzender Erich Landgraf erstattete den ersten Jahresbericht. Foto: diba |
Vorsitzender Erich Landgraf zieht die erste Jahresbilanz des neuen Vereins
Das Kulturforum auf gutem Wege ROTHENBURG – Die erste Jahresbilanz des Rothenburger Kulturvereins kann sich durchaus sehen lassen. Dies wurde dem Vorstand auf der Jahreshauptversammlung auch aus den Reihen der Mitglieder bestätigt. Trotzdem gibt es noch viel zu tun, seine Berechtigung allerdings hat das Kulturforum bereits nachgewiesen. Dringendes Gebot für das zweite Jahr sei die Verdoppelung der noch zu niedrigen Mitgliederzahlen wie betont wurde. Die einen hatten es gewünscht (so auch die Mehrheit des Stadtrates), die andern sahen es als überflüssig an, dass sich in Rothenburg ein selbstständiger Kulturverein gründet. Vor einem Jahr war man mit einer Vorstandschaft aus überwiegend neuen Leuten, die sonst nicht im Vordergrund stehen, angetreten. Der 1. Vorsitzende Erich Landgraf zog am Dienstagabend im Gasthof zur Schranne die erste Jahresbilanz, wobei er eingangs die Basisarbeit der Aufbauzeit hervorhob.
Dazu zählten neben den organisatorischen Abläufen (Eintrag ins Vereinsregister, Anerkennung der Gemeinnützigkeit und Steuerabzugsmöglichkeit bei Spenden) die Pflege vieler Kontakte und Beziehungen zu anderen Vereinen und Gremien. Landgraf lobte die guten Kontakte zur Stadt und die persönliche Unterstützung durch Verkehrsdirektor Kempter. Es seien Beiräte berufen und Arbeitskreise für die Kulturbrauerei, die Literatur und das Internet eingerichtet worden.
Etliche Kulturveranstaltungen wurden sowohl in Eigenregie wie in Kooperation mit anderen durchgeführt, wobei Landgraf die Offenheit für die Zusammenarbeit mit allen Vereinen und Interessierten unterstrich.
Beim Versuch örtliche Veranstaltungen besser zu koordinieren habe man erkannt, dass dies nicht immer zu erreichen ist. Von Mai bis Februar hat das Forum einen eigenen Kulturkalender herausgebracht, der jetzt mit Erscheinen des monatlichen Stadtmagazins überflüssig wurde. Künftig werde sich das Kulturforum regelmäßig ins Rotour-Magazin mit Beiträgen einbringen. Erstmals sei eine Datenbank über die örtlichen Kulturstätten erstellt worden, die auf der Kulturforums-Internetseite zu finden ist. Mangels Nachfrage habe man den sogenannten „runden Tisch“ wieder eingestellt.
Mit der Kulturbrauerei sei man jetzt organisatorisch eng verbunden, wobei die kreativen Leute des Brauerei-Kulturkreises weitgehend selbstständig arbeiteten. Finanziell, so Landgraf, lebe man noch „von der Hand in den Mund“, wobei der Stadtrat erfreulicherweise jetzt die Arbeit mit 5000 Euro Zuschuss fördere. Der Vorstand kümmere sich auch um so grundlegende Dinge wie die Bewerbung der Stadt um Aufnahme ins Weltkulturerbe-Programm. Hier dürfe man nicht lockerlassen, auch wenn es lang dauern könne.
Einen ausgeglichenen Vereins-Haushalt über 8000 Euro stellte Kassier Christoph Dürr vor, wobei die im Prinzip selbständig wirtschaftende Kulturbrauerei ein erfreuliches Ergebnis erzielt hat und vor allem dafür auch viele Privatspenden eingegangen sind. Um die finanzielle Substanz des Vereins zu verbessern sei es dringend notwendig neue Mitglieder zu werben, mahnte der Kassier und dankte vor allem den Banken und der Stadt für ihre Zuschüsse.
Nach dem positiven Prüfungsbericht und der einstimmigen Entlastung des Vorstands gab Erich Landgraf einen Ausblick auf die nächsten Monate. Es seien neue Arbeitskreise geplant, man suche nach Wegen die Jugend mehr einzubinden und vor allem für die Bildende Kunst etwas zu tun. Die Fortsetzung der Lesereihe steht an, außerdem gibt es unter der Überschrift „Kulturforum im Museum“ Veranstaltungen im besonderen Ambiente des Reichsstadtmuseums, wo erst kürzlich die Hampele-Lesung stattfand. Ganz wesentlich sind die Angebote der Kulturbrauerei in diesem Jahr. So sind bereits Ende April und im Mai Veranstaltungen geplant.
Am 16. April gibt es ein Barockkonzert, am 23. April eine Lesung Rothenburger Bürger und am 8. Mai eine Aufführung der Moabiter Sonette zum Kriegsende in der Franziskanerkirche. Im Juni steht ein Vortrag von Jürgen Bertram an und am 23. Juli eine Staudacher-Lesung zu dessen zehntem Todestag. Die Förderung junger Talente und ein „Rothenburger Kulturherbst“ liegen Landgraf am Herzen. Der Gastronomie schlägt er eine „Rothenburger Wirtschaftswoche“ kultureller Art vor: mit Kleinkunstaufführungen in diversen Lokalen. Im Rahmen der Programme Literaturlandschaften Bayerns 2006 will sich das Forum einbringen.
Es stehe weiter dafür, sich für Kunst und Kultur in Rothenburg einzusetzen schloss Landgraf seine Ausführungen und dankte allen Förderern. Der Bericht spreche klar für den Kulturverein, betonte Peter Schaumann, denn das Forum schließe bisher vorhandene Lücken, so beispielsweise bei Lesungen. Angeregt wurde, man möge bei der Stadt für Raumangebote für Jugendbands sorgen. Auch besondere Führungen durch die Museen und die kulturelle Nutzung wenig bekannter Räume waren Vorschläge. Den runden Tisch möchte man wenigstens vierteljährlich nochmals wagen. diba, 23.03.2005 nach oben |
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Fränkischer Anzeiger 27.07.2004
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Aufflackernde Erinnerung im Düsteren: Anna Haack in der Rolle der Hannelore Kohl. Foto: Düll |
Theaterkritik: „Hannelore Kohl – ein Leben im Schatten“
Grenze zwischen Liebe und Hass ROTHENBURG – Eine Frau im Stockdunkeln wirft mit der Taschenlampe Schlaglichter ins Publikum, hebt für je einen Lidschlag lang zufällig Gesichter aus der anonymen Masse. „Hannelore Kohl – ein Leben im Schatten“ heißt das Stück, das viele neugierige Erwartungen weckt, manche vielleicht auch mitleiden oder womöglich ein Stück weit sich selbst erkennen lässt. Der „Kulturbrauerei“ in Zusammenarbeit mit dem Förderverein des Goethe-Instituts bescherte der Einakter des 34-jährigen Berliner Autoren, Musiker und Journalisten Sascha Schmidt einen kompletten Erfolg. Ein voller Saal erlebte eine sensible, literarisch gekonnte und schauspielerisch vortreffliche Annäherung an ein Schicksal, das für viele Frauen im Schatten erfolgreicher Männer steht – auch wenn die Konsequenz nicht so ist wie in dieser Lebensgeschichte.
Wer den Freitod so selbstbestimmend wählt, Vorkehrungen trifft, um der Nachwelt nicht zur Last zu fallen, ist ein wahrscheinlich sehr gedemütigter und zugleich stolzer Mensch. Aber warum hat die Frau im Schatten das zugelassen?
Der an das Publikum gerichtete Monolog, zeichnet sehr fein. Er bewegt sich fernab der Befriedigung von Sensationslüsternheit, läuft nie Gefahr, in eine Verunglimpfung des abwesenden und dennoch allgegenwärtigen Gatten auszuarten. Geschont wird er nicht. Doch weder den klaren Worten über den Machtmenschen noch den eingestreuten Kohl-Witzen fehlt es an Bedeutung und Streben nach Spiegelung.
Es ist die letzte Bühne einer Frau, deren Bewusstsein sich zwischen Identifikation und Wut spaltet, die sich an der Grenze zwischen Liebe und Hass befindet oder diese schon längst überschritten hat.
Die Darstellerin Anna Haack macht dies, unterstützt von prägnanten Regieeinfällen, in einem brillanten, facettenreichen Solo eindringlich. Bitter-süße Erinnerungen flackern auf. Eine gleißend zeitraffende Sequenz (Rekapitulation von Kohls Karriere beim Spurt auf dem Trimmrad) durchzuckt das spannungsvolle Düster.
Es bleibt dunkel um sie. Die symbolhaft wirkende Lichtallergie der Protagonistin ist eine ernsthaft zu nehmende Krankheit, aber auch eine womöglich psychosomatisch bedingte. „Man muss vor allem warten können“, sagt die ehemalige Kanzlersgattin und vergleicht sich dann im nächsten Satz mit einem Hund, von dem man das nicht verlangen könne.
Solchen O-Tönen fügt der Autor weitere Reflexionen hinzu; etwa darüber, wie Liebe allmählich ersetzt wird durch Materialismus oder die Hoffnung auf Liebe. Auch die Sentenz über die Qualität eines Politikers stößt schonungslos über den speziellen Fall hinaus: „Die Schwachstellen finden, zustoßen und die Wunden nie verheilen lassen“.
Sascha Schmidts Schauspiel ist nicht nur ein Forschen am dunklen Ende eines geopferten Lebens, sondern auch ein Lehrstück über die Welt im Licht, über vermeintlich glänzende Tugenden, über Macht, Erfolg und Menschlichkeit. Dies zusammen mit seiner dramaturgischen Güte macht es – obgleich die Reife noch Raum zum Wachsen hat – zu einem zeitgenössisch durchaus bedeutenden Theaterstück. hd, 26.07.2004 nach oben |
Fränkischer Anzeiger 23.07.2004
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An historischer Braustätte wird wieder Bier gebraut: „Bräumeister“ Stephan Berger. Foto: lü |
Mit Holzofen und Wurstkesseln stellte Stephan Berger Bier her
Erste Rothenburger Freiluft–Brauerei ROTHENBURG – Bierbrauen an ursprünglichem Ort – dies Unternehmen ging Hotellier Stephan Berger am letzten Dienstag an. Vor der Kulturbrauerei, in der bis Mitte der Siebziger Jahre noch Bier hergestellt wurde, hatte der Hobby-Brauer tüchtig eingeheizt: Auf einem Holzofen und in einem Wurstkessel braute er sachkundig den Gerstensaft. In einigen Monaten wird das Getränk zu genießen sein. Passanten, die zufällig an der Kulturbrauerei vorbeikamen, bot sich ein wahrhaft merkwürdiges Bild: Zwischen Rauchschwaden und über den Boden verteilten Töpfen verschiedenster Größe stand der Ofen mit dem Kessel darauf. Der Brauer daneben maß die Temperatur, heizte ein, steigerte schrittweise die Hitze. Dann gab er ein wenig Hopfen in die Flüssigkeit, die grün aufwallte und brodelnd wohlriechende Düfte entließ. Ein Zaubertrank? Nein, einfach Bier.
Schon um 7.30 Uhr hatte Stephan Berger seine „Freiluft Brauerei“ aufgebaut. Den Ort hat er ganz bewusst gewählt: Aus Tradition, und weil ihm die Kulturbrauerei am Herzen liegt. Er versteht seine Aktion als kulturellen Beitrag: „Nicht nur Musik und Kunst gehören zur Kultur, es gibt ja auch eine Ess- und Trinkkultur. Und gerade Bier repräsentiert ja wie nichts anderes die deutsche Trinkkultur.“ Zudem möchte er seinen Mitbürgern zeigen: „Bei uns in Rothenburg wird gebraut – und das kann man auch trinken.“
Auf das Brauen ist Stephan Berger vor fünf Jahren gekommen. „Ich dachte mir: ‘Was mit 50 Hektolitern geht, das muss auch mit 50 Litern funktionieren’“, erklärt der Gastwirt. Zusammen mit einem Freund ging er ans Werk. „Das Ergebnis hat so grausam geschmeckt – das konnte man nicht trinken.“ Doch Berger ließ sich nicht entmutigen. Immer wieder hat er es versucht, bis das Getränk seinen Ansprüchen genügte. „Das Bier ist gut”, sagt der Amateurbrauer und wird in dieser Ansicht auch von seinen Gästen bestätigt. Denn seit einiger Zeit braut Berger ein bis zwei Mal die Woche – Helles, Dunkles und Weizenbier.
Sein „Turmbräu“ kommt aber nur den Gästen seines Hotels zu Gute – normalerweise. Denn für die Kulturbrauerei hat Berger eine Ausnahme gemacht. Hundert Flaschen – eigens etikettiert und nummeriert – hat er der Kulturbrauerei gespendet. „Die meisten Flaschen sind schon weg“, erzählt Walter Meile, der dieses Geschenk dankbar angenommen hat. „Das Bier schmeckt unseren Besuchern.“
In der Hitze der Sonne und des Holzfeuers und bei den Hopfendüften werden Träume gesponnen: Von einer wiedererstandenen Brauerei in dem alten Gebäude, einer Verknüpfung von Handwerk und Kultur. Von einem von Künstlern entworfenen Etikett für das heute gebraute Bier, persönlich unterschrieben und natürlich nummeriert. Vielleicht wird es „Hofbier“ heißen oder „Kulturbier“ und nur zu einem besonderen Anlass getrunken – bestimmt nicht im Hotel. „Vielleicht werde ich mir doch ein paar Sudkessel kaufen und in größerem Stil brauen“, meint Stephan Berger. Zuzutrauen wäre es ihm. lü, 22.07.2004 nach oben |
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Die "Berliner Landpartie" bietet zeitgenössische Kunst mit tiefen Perspektiven |
Annäherung ans Schnurkleid |
Rothenburg. Ein "Nichts" ruft einen herein, schriftlich tonlos und doch so vielsagend, wie Kunst sein kann. Ein "Nichts" begegnet einem immer wieder in dieser Ausstellung, als Kreidewort, als (Wand)teppich, auf beleuchteter beräderter Holzplatte. Wer nach dem Sinn fragt, findet womöglich (s)eine weitreichende Antwort.
Das will auch Schöpfer Christian H. Cordes (geb. 1967, Studium in Saarbrücken) nicht ausschließen. Eine inspirierende Tiefgründigkeit zeichnet nicht nur seinen Beitrag zur "Berliner Landpartie" aus, einer Galerie im alten Brauhaus mit Werken von elf Berliner Künstlern, von denen etliche aus dem Süden oder Westen Deutschlands stammen und einige auch intensive Studien im Ausland absolviert haben. Ein Besuch dieses jüngsten Projekts der örtlichen privaten Kunst-Initiative "Kulturbrauerei" ist dringend empfehlenswert. Reif, weltläufig, brisant wirkt die Kunst, die das Intustrie-Denkmal diese Woche noch mit Leben erfüllt. Jedes der Werke könnte genauso gut in einer großen Kunsthalle hängen bzw. stehen. Die Meistertrunkstadt, sonst auf historische Kulisse und Folklore aboniert, kann sich, wenn sie will, von einem vitaleren Geist berühren lassen. Ein vornehmer Zug der Galerie besteht gewiss in der Art, wie hier aus konzentrierten, manchmal minimalen Mitteln vielschichtige Bilder und Skulpturen geschaffen sind. Das gilt für die u.a. aus Holzresten und alten Nägeln gezimmerten ausdrucksvollen Figuren mit Titeln wie "Luftgucker" oder "Pedestrian" von Nele Probst. Das gilt ebenso für die aus Schnüren geformten, körperhaften Kleider der gebürtigen Aachenerin Käthe Wenzel - "Annäherungsversuche", die den Betrachter in ihrer Durchlässigkeit berühren, zur Reflexion herausfordern. Die Frage nach der Identität bestimmt auch die Skulptur und die im Foto festgehaltene Performance von Janina Bücking (1969 in München geboren). Ein Zementkopf, Kreidekonturen des eigenen Körpers, eine zweite gelatinehafte Haut sind die Elemente ihrer künstlerischen Experimente unter Einbeziehung des eigenen Körpers.
Klangerfahrung Auf eine mehr als visuelle sinnliche Erfahrung zielt die Installation "sounds motion moderation" von Marco Riedel ab. Seine raumhohe "Klangkiste" moduliert ihren Sound (Geräuschkulisse vom hiesigen Weihnachtsmarkt), je nach Bewegung der seildicken elastischen Stäbe. Auf ihre Art kommunikativ sind die Gemälde und Zeichnungen der Galerie. Behäbige Traditionspflege sucht man vergebens, selbst die Standarts der Moderne mischen sich allenfalls leger ins Spiel der kreativen Kräfte; z.B. eine Alltäglichkeit der Motive, wie sie die Pop-Art kennt. Da sind die Öl-Gemälde von Lisa Glauer mit ihren energievollen Perspektiven und Ausschnitten oder das verfremdete Ei im Glaskasten von Anke Mila Menck.
Zeichnerisches Genie Durch zeichnerisches Genie und einen ausgeprägten Stil machen die Werke von Line Wasner und der auf die Wand aufgetragene "Rucksack" von Andreas Kotulla auf sich aufmerksam. Eine comic-haft karikierende, kraftvolle Manier prägt die bunten Gemälde der bereits erwähnten Nele Probst. Zwischen Plastik und Malerei bewegen sich Alex Gerns dreidimensionale Quatrate mit ihren besandeten Leinwänden. Ebenfalls im Flur: ein Teppichfleck mit Roll-Rädchen, ein dadaesker Schriftzug und ein grüner gefüllter Kreis. Die unter dem Pseudonym "Billig-Topmarkt.de" firmierenden Künstler A. Negrelli und B. Urban bringen ein eulenspiegelhaft verspieltes Moment in die "Berliner Landpartie".
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Fränkischer Anzeiger 19.07.2004
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Janina Bücking: Fotografien und Skulpturen. Einheit mit Ziegelwand, Fenster und Betrachter? diba-fotos |
„Berliner Landpartie“ erlebt Besucherandrang bei Musikabend
Dokumenta-Anklänge im Brauhaus-Gemäuer ROTHENBURG – Es war ein Kultur-Wochenende voller Termine. Das Besondere daran: alle hatten einen guten Besuch. Besonders aber freute man sich bei den Initiatoren des Kulturbrauhauses über den gelungenen Auftakt und ein von rund 200 zahlenden Gästen besuchtes Rock-Konzert mit zwei Spitzenbands. Rothenburg machte seinem Ruf als Kulturstadt dank der Initiative Einzelner alle Ehre! „Das macht Mut!” konnte da Walter Meile am gestrigen Sonntagnachmittag eine erste positive Bilanz ziehen. Nach dem schwachen Echo auf die letzte Ausstellung gelang es diesmal das Publikumsinteresse stärker zu wecken. Nur eine Woche lang sind die vielseitigen Arbeiten von elf Berliner Künstlern zu sehen, hinzu kommen noch drei Abendveranstaltungen (siehe Info-Kasten).
 | Bürgermeisterin Irmgard Mittermeier lobt Walter Meiles Initiative zur Belebung der Kunstszene. | Was in der mittelalterlichen Stadt der Traditionen lange vermißt wurde, hält mit dem Kulturbrauhaus zeitweise Einzug: Modernes, Alternatives, Avantgardistisches und Denkanstößiges. Der Gang durch die vom Brauhausteam in Eigenleistung ausstellungstauglich gemachten Räume, erstmals auch im Obergeschoß, vermittelt ein bißchen Dokumenta-Gefühle. Der Ankündigungstext bestätigt sich dem Betrachter, vorausgesetzt er ist aufgeschlossen unvoreingenommen, nimmt sich Zeit und läßt Räume und Werke wirken: „Bilder und Zeichnungen, verfremdete und befremdliche Objekte und Installationen eröffnen die Möglichkeit, die Fantasien spielen zu lassen, gedankliches Neuland zu betreten!”
Ob es die im Raum schwebenden transparenten Körper aus Schnurgerippe der Künstlerin Käthe Wenzel sind, ob es die Umsetzung des „Nichts“ als abstraktes Konzept in provokanter Schlichtheit von Christian H. Cordes ist oder ob man sich als Besucher gleich im wahrsten Sinne des Wortes „in die Seile hängt“ und
 | Käthe Wenzel mit ihren luftigen Körperkreationen aus Schnüren im Raum. | damit in ein experimentelles Audio-Klangfeld von Marco Riedel (Schüler von Horst Antes) eintaucht – ständig konfrontieren einen die Künstler mit Neuem und wer sich darauf einläßt, dem wird der Rundgang zum anregenden Kulturerlebnis.
Möglich gemacht hat dies das bewährte Team um Walter Meile, der am Freitagabend offiziell eröffnete und allen dankte, die mitgearbeitet und gesponsert haben. Hohe Anerkennung gab es von Bürgermeisterin Irmgard Mittermeier namens der Stadt. Die Nutzung des Industriedenkmals als Ort der Kunst sei vorbildlich und bewahre zunächst auch das Brauhaus durch die Sanierung vor dem Abriß. Man wünsche sich die Fortführung dieser „selbstlosen Initiative“ fügte die Bürgermeisterin hinzu und versicherte Walter Meile weiterer Unterstützung. Marco Brosolo trug als Spezialist elektronischer Musik digitalisierte „Lagerfeuerlieder“ zum Einstand vor.
 | Stimmgewaltig bereichert Carmen Hofacker die Berliner Band, links Hartmut Schwab. | Gut 200 Besucher lockten dann am Samstagabend die beiden Rock-Bands aus Berlin ins Brauhaus. Was die Gruppe SWIM mit ihrer Mischung aus Rock und Pop bot, war mehr als beeindruckend, vor allem die eigenen Kreationen (Musik auch von dem Gitarristen Hartmut Schwab, Geslau). Die aus Diebach stammende Sängerin Carmen Hofacker, 24, reißt stimmgewaltig Band und Zuschauer gleichermaßen mit (sie hat etliche Lieder getextet). Ihr merkt man nicht nur die klassische Gesangsausbildung an, sondern sie fesselt mit ihrer Stimmgewalt, fasziniert als freche Rockröhre ebenso wie als gefühlvolle Sängerin. Man wünscht sich eine Wiederholung in Rothenburg und ist sicher, dass diese Band das Zeug für eine Musikkarierre hat.
Um Mitternacht heizte die Gruppe „Jumpin Juice“ weiter kräftig ein. Die als Punkband gegründete Gruppe sieht im Einsatz eines Akkordeons ihr Markenzeichen und sie überzeugt durch ein großes Spektrum an perfekt vorgetragenen Rocknummern von Hardrock bis Poplastig. Dank dem Kulturbrauhaus für solche Kulturerlebnisse! diba, 19.07.2004 nach oben |
Fränkische Landeszeitung 17/18.07.2004
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Kunst-Stoff mit Humor "Berliner Landpartie" in der Rothenburger Kulturbrauerei: Elf Künstler aus der Hauptstadt präsentieren ihre Arbeiten ROTHENBURG - Wie es aussieht, wenn Großstädter eine "Berliner Landpartie" machen, davon kann sich der Besucher der Kulturbrauerei ein lebhaftes Bild zeichnen. Dort zeigen 11 Künstler aus Berlin ab heute für eine Woche (täglich 14 bis 19 Uhr), ihre Arbeiten. Ein abwechslungsreiches Abendprogramm gibt es außerdem. Wenn Künstler reisen und was für Vorstellungen sie damit verbinden, zeigt diese Schau. Wie eigentlich wirken Bilder vor einer völlig anderen Kulisse? Rothenburg mit seinem mittelalterlichen Charme bietet sich als perfektes Kontrastprogramm zur Hauptstadt an. Ein Gedanke, der offenbar inspiriert, gefördert von jenen, die beides kennen. So etwa der Rothenburger Waldemar Olesch, der seit einem halben Jahr in Berlin weilt. Verknüpfungen und Austausch sind ihm wichtig, genauso wie dem Organisationsteam der Kulturbrauerei. Fäden spinnen sich weiter zur Berliner Schaltstelle Nele Probst, die viele der hier ausstellenden Künstler zum Mitmachen animiert hat.
Mit Erfolg, denn einige der gezeigten Arbeiten sind extra für diese "Landpartie" gestaltet worden. So zum Beispiel der Rucksack von Andreas Kotulla, der schwarz-weiß direkt auf die Wand gemalt worden ist. Ein ausuferndes Gepäckstück, da der Großstädter ja nie weiß, was er in der wilden Natur alles brauchen wird. Vielleicht braucht er auch "nichts". Ein relativer Begriff, der überall in unserer Sprache auftaucht, mehr oder weniger gedankenvoll verwendet. Christian H. Cordes macht sich ein Spiel daraus, indem er das Wort stets aufs Neue an unerwarteter Stelle der Ausstellung auftauchen lässt. Kurzes Innehalten und Grübeln sind da erwünscht.
So etwa, wie es auch der Hungrige vor dem Kühlschrank tut. Meist mit vernebelter Wahrnehmung, weil vom Bedürfnis getrieben. Daraus ergeben sich Makros, vergrößerte Ansichten von Details. Lisa Glauer lässt sie plastisch werden mit ihren poppig bunten Features von scheinbar banalen Alltäglichkeiten wie Joghurtbechern, Eiswürfeln oder Milchtüten. Dabei sei jedoch aufgemerkt, denn der deutsche Tetrapack kann sich vom US-amerikanischen erheblich unterscheiden.
Nele Probst reizt der Kontrast zwischen Stadt und Land - vor allem in ihrer Malerei. Graue Eintönigkeit gegen bunte Heiterkeit, gehalten in einer Handschrift, die bisweilen an Comics erinnert. Kein zwingend naturalistischer Ansatz, sondern bewusste und zugleich ironisierende Verfremdung, die den Blickwinkel des Betrachters hinterfragt.
Dagegen präsentiert sich Alex Gern mit seinen Farbgüssen puristisch. Im Vordergrund steht das vollkommene Erleben eines Pigments, eingefangen in kleinen, monochromen Kacheln. Farblose Gewänder aus Paketschnüren, durchsichtig, filigran aber doch ausgeformt sind Käthe Wenzels Faible. Das Begreifen von Form anhand eines dreidimensionalen Rasters ist ihr Thema. Den Körper, das Ausmalen, das Füllen ist Sache der Betrachter.
(...) Nichts ist also, wie es sich darstellt - zumindest auf den ersten Blick. Darauf hinweisen will diese Ausstellung. Sie tut das humorvoll, verspielt, offenherzig. Kunst zu erfahren ist ihr Anliegen, bis man sagen kann: "Dem ist nichts mehr hinzuzufügen". Martina Kramer, 17/18.07.2004 nach oben |
Fränkischer Anzeiger 10/11.07.2004
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Spielen in der Kulturbrauerei: „Swim“ (mit der Diebacherin Carmen Hofacher (3.v.re.) und Hartmut Schwab (re.) aus Geslau. |
„Berliner Landpartie“ in der Rothenburger Kulturbrauerei beginnt
Ausflug der Künstler ROTHENBURG
– Unter dem Titel „Berliner Landpartie“ findet vom 16. bis 25. Juli in
der Kulturbrauerei eine Ausstellung mit abendlichem Begleitprogramm
Musik, Performance und Literatur statt. Die
elf Künstlerinnen und Künstler leben und arbeiten seit einigen Jahren
in Berlin, vorwiegend am Prenzlauer Berg, und kommen auf Einladung der
Rothenburger Kulturbrauerei-Initiative. In den Räumen der ehemaligen
Brauerei der Stadt Rothenburg werden Installationen, Klang- und
Objektkunst sowie Malerei gezeigt. Die Ausstellung ist täglich von 14
bis 19 Uhr geöffnet. Die Berliner Künstler setzen ihre Arbeiten in die ländlich,
kleinstädtisch geprägte Umgebung Rothenburgs. Der mittelalterliche
Stadtkern, das aus der Bevölkerung und Touristen aus aller Welt
zusammengesetzte Publikum und der Ausstellungsort bilden für die
Künstler einen Kontrast zu ihrer gewohnten „Kunstumgebung“ und die
Herausforderung, sich mit den Gegegebenheiten des Ortes unter diesem
Thema auseinanderzusetzen.
Die Ausstellungseröffnung – bei freiem Eintritt – am kommenden
Freitag, den 16. Juli, um 20 Uhr, begleitet der Exil-Italiener und nun
in Berlin lebende Künstler Marco Brosolo mit digitalen
Lagerfeuerliedern. Der studierte bildende Künstler und ausgebildete
Schlagzeuger beschäftigt sich seit langem mit elektronischer Musik. Mit
der Nase von Ringo Starr, der Frisur von Laurie Anderson, der Stimme
von Vito Corleone und den Händen von Aphex Twin zaubert er
ungewöhnliche und dennoch harmonisch-poppige Songs aus seinem
musikalischen Hut. Rockig wird es am Samstag, 17. Juli, 20 Uhr, mit zwei Berliner
Bands. „Jumpin Juice“, der Name entstand durch gewisse „Jumping Jews“
aus dem Film „Der Sinn des Lebens“ von Monty Python, gewann 1997 einen
fränkischen Musikwettbewerb. Mit dem Stück „Together wie are none“
wurde die Gruppe 2001 Monatssieger auf der MTV-Internetplattform.
Bei „Swim“ singt die gebürtige Diebacherin Carmen Hofacker. Die
24-Jährige hat auch die Lieder getextet. Die Musik stammt unter anderem
vom Gitarristen Hartmut Schwab aus Geslau. Die beiden jungen Leute
leben in Berlin und machen zusammen mit zwei weiteren Wahl-Berlinern,
die ebenfalls aus Bayern stammen, Musik: eine Mischung aus Rock und Pop
mit Einflüssen von Crossover, Heavy Metal und Funk. Erstmals stellen
sich die zwei Franken mit ihrer neuen Band in der Heimat vor. Das
musikalische Talent hat Carmen Hofacker von ihrem Großvater und ihrem
Vater geerbt. Nach Klavierunterricht und klassischer Gesangsausbildung
absolvierte sie die Rock- und Popschule in Berlin.
Christoph Kalbitzer erzählt am Mittwoch, 21. Juli, 20 Uhr, in
seiner Ein-Mann-Show Geschichten seines eigensinnigen Helden „Fred
First“, begleitet von Geräusch und Musik. Sein Darsteller ist der
Protagonist eines Computerspiels. In seiner Freizeit erkennt ihn keiner
der Nebendarsteller als den Supergeheimagenten. Der Autor des Stücks
ist 1972 in Hannover geboren und hat Germanistik und Soziologie
studiert. Er lebt in Berlin und schreibt für Kurzfilme,
Radiokrimi-Serien und Hörspiellesungen.
Das Theaterstück „Hannelore Kohl – ein Leben im Schatten“ mit Anna
Haack (Regie und Buch Sascha Schmidt ist der erfundene Abschied einer
erfundenen Frau. Die Aufführung am Samstag, 24. Juli, 20 Uhr, ist ein
an das Publikum gerichteter Monolog, die Erklärung der Tat, ihre
Beweggründe. Die letzte Bühne einer Frau, die sich an der Grenze
zwischen Liebe und Hass befindet, oder diese schon längst überschritten
hat.
Eine Stunde im Leben der Hannelore Kohl. Ihre letzte Stunde, bevor
sie um 22 Uhr am 4. Juli 2001 schließlich den Vertrag aufkündigt: Den
Vertrag im Schatten zu stehen, sich unterzuordnen, als Mutter und
Ehefrau ihre Pflichten zu erfüllen und sich mit der Nebenrolle
zufrieden zu geben. Noch eine Stunde, dann ist es vorbei. In einem fast
völlig abgedunkelten Raum, zieht die seit Jahren von einer schweren
Lichtallergie geplagte Frau ein Resümée. Die Aufführung wird
unterstützt vom Verein der Freunde des Goethe-Instituts Rothenburg. sis, 09.07.2004 nach oben |
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Fränkischer Anzeiger 27.05.2004
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Werke von Renate Fukerider im Rahmen der „Kulturbrauerei“ im alten Brauhaus. Fotos: Düll |
„Kulturbrauerei“ legt mit Erweiterung auf ersten Stock weiter an Profil zu
Kunstwerke in Wohngemeinschaft ROTHENBURG – Es sind die Sinnbilder, die Chiffren, die vielfachen Wechselwirkungen zwischen Gebäude und Gebilden, die diesem Kunstprojekt seinen besonderen Charakter verleihen. Die viel beachtete „Kunstbrauerei“ hat eine höhere Etage erklommen. Die Kunst dort schwebt ähnlich frank und kühn am Rothenburger Horizont wie die Feuertreppe über der hohen Lobby des Industriedenkmals vor dem Klingentor. Den Besucher erwartet sozusagen eine Wohngemeinschaft mit Ausstellungszimmern, allesamt bestückt von profilierten Künstlern, die nicht aus Rothenburg stammen. Die heimischen enthalten sich dieses Jahr ganz bewusst und bereichern dafür die Altstadt-Szenerie mit einer „Kunstfensteraktion“ (wir berichteten).
Doch zurück in den ersten Stock des Brauhauses. Dort hinterlässt die Malerin und Fotografin Renate Fukerider in fließenden Übergängen zwischen Beschaffenheit und Bildlichkeit „Zeitspuren“. Dabei vereint sie so scheinbar konträre Materialien wie handgeschöpftes Papier, Beton, Bananenblätter, Bitumen oder Wellblech.
 | Holzskulptur von Claudia Emrich-Engerer | Nicht reif und refklektierend, aber erfrischend die Szenerie hinter der Nachbartüre: Auf inspirierte Weise lassen dort vier Creglinger Realschüler (C. Brabletz, V. Hofholz, F. Hut, J. Piepenburg) dem Kindlichen in der Kunst freien Lauf. Bunt und bewegungsfreudig umzingeln einen die Figuren, teils als Skulpturen, teils in dicken Strichen auf die Wände gepinselt.
Als Maler und Grafiker zeigt sich der renommierte Schriftsteller Gerd Scherm. Seine Bilder machen die Magie zum Thema. Darin spiegelt sich eine intensive Beschäftigung mit dem sogenannten Volkzauber, aber auch schamanische Erfahrungen des Künstlers, der im nahen Binzwangen lebt.
„Drei Göttinnen“
Nicht weniger fesselnd, wenn auch teils entzaubernd wirken die Plastiken der gelernten Theatermalerin und Holzbildhauerin Claudia Emrich-Engerer aus Dinkelsbühl. Mächtig und würdevoll: ihre Pappel-Skulptur „Rosi“, eine Art indianischer Kopf mit Schale. Miniaturenhaft und ironisch indes ihre „3 Göttinen“, ulkig-derbe Figürchen auf vergleichsweise riesigen Holzsäulen.
Auch „find-art“ ist in der Galerie vertreten. Hans „A“. Graef, der in der Haller Gegend wirkt, verschafft dem Besucher intensive Begegungen mit einer Kunstauffassung, die auch von Verbindungen zu Joseph Beuys zeugt.
Zeit nehmen sollte man sich auch für die reine Malerei und die grafischen Werke, vertreten durch die ausdrucksvolle Bildsprache von Maik Vogel und Daniela Vogel (1. Stock) und die Linoldrucke von Jess Walter (Saal im Erdgeschoss); nicht zu vergessen die ins Räumliche gehenden, teils monochrom blauen Bilder von Robert Müller-Moa.
 | Blick auf die Skulpturen, die Realschüler aus Creglingen geschaffen haben. | Lohnend auch ein Gang über die Steintreppe in die Sudkessel-Galerie. Dort stellt die Malerin Erika Itta aus, die in Lehrberg lebt. Ihre plastischen Gemälde mit Titeln wie „Stiller Mund“ oder „Der gefangene Mond“ zeichnet eine expressive Körperlichkeit aus.
Auch das Parterre steckt voller Kunst, die mit dem Gebäude auf Fühlung geht. Von Klaus-Leo Drechsel, Grafiker, Skulpturist und Glasgestalter aus Büchenbach, stammen u. a. die riesenhaften, in der Einganghalle hängenden Fremdkörper aus Latex, Luft und Kunstrasen.
Am Himmel des Treppenhauses kratzt die 3,50 hohe Skulptur „Ansichten“ des Dinkelsbühler Holzbildhauers Gerhard Engerer. Einen Kreis bilden die neun Stelen von Ursula Kensy (Mitglied in den Kunstvereinen Hohenlohe und Stuttgart). Ihre Arbeit hat im lauschigen Hof hinterm Haus ihren idealen Platz.
Die „Kulturbrauerei“ im alten Brauhaus am Klingentor ist noch bis zum 31. Mai, täglich von 14 bis 19 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.hd, 26.05.2004 nach oben |
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Als Kunstort etablieren
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Kunst-Fenster-Aktion in Rothenburg bis 26. April |
Rothenburg. Dass man mit einfachen Ideen und kräftigem Zupacken etwas kulturell bewegen kann, hat Walter Meile mit seiner Kunstfenster-Aktion bewiesen, die jetzt eröffnet wurde. Bis 26. April sind jetzt neun ansonsten leerstehende Läden in der Altstadt mit ansprechender Kunst bestückt.
"Was wir hier versuchen, ist Rothenburg als Kunstort zu etablieren!" betonte Initiator Walter Meile in seiner Begrüßungsrede. Für die Vernissage hatte man sich als ideales Ambiente das jahrhundertealte leerstehende Wohn- und Geschäftshaus Herrngasse 34 am Burgtor ausgesucht.
Dort herrschte nicht nur Galerie-Atmosphäre, sondern auch ein Hauch italienisches Flair durch den kleinen, aber feinen Innenhof.
Die Bilder und Grafiken von Bernhard Karlstetter, Mitglied des Künstlerbundes (er hat an der Akademie der bildenden Künste München studiert) können während der Aktion in den zeitweiligen "Galerieräumen" besichtigt werden. Er ist nicht nur Maler und Grafiker, sondern hat mit seinen Klang- und Tonexperimenten bereits im Kulturbrauhaus Aufmerksamkeit erregt.
Der zweite begehbare Kunstort ist die Klingengasse 8, wo Pawel Komorek und Burkhard Moser ausstellen. Im Alten Stadtgraben Nr. 1 befindet sich das Kunstfenster der örtlichen Schülergruppe "Kids", von Lehrerin Christl Straßberger engagiert umgesetzt. Im Alten Stadtgraben 28 hat Doris Pürckhauer-Haburaj eine Darstellungsfläche geschaffen und in der Wenggasse 8 stellt Petra Freund ihre Bilder aus. Ferner gibt es das Fenster des Finsterlohrer Licht- und Objektkünstlers Willy Kammleiter in der Spitalgasse 7 und Frank Respondek seine Fotodesign-Arbeiten in der Rödergasse (ehemals Mainkaufhaus). Hans Gustaf Weltzer sorgt mit seinen Werken für Leben im Louvre-Fenster.
Rothenburg habe der ganzen Welt einen Ruf als Touristenort, aber nun müsse man auch gemeinsam daran arbeiten - so Meile - dass die alte Reichsstadt als "Kunstort" bekannt wird. Als nächstes Ereignis kündigt sich schon die Ausstellung in der Kulturbrauerei mit zahlreichen Künstlern aus der Region an. Unter dem Titel "Richtungen" findet sie vom 22. bis 31. Mai statt. diba
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© Fränkische Nachrichten
01.04.2004 nach oben
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So wie hier seit einiger Zeit in der Rödergasse praktiziert, wird in sieben weiteren Schaufenstern der Altstadt Kunst präsentiert. Foto: diba |
Rothenburger Kunstfenster – Blicken Sie hinen! ROTHENBURG – Kulturbrauerei, KunstOrt und Kunstfenster – erfreuliche Kulturinitiativen bereichern auch in diesem Jahr das Rothenburger Kulturleben. Außer mit einem interessanten Brauhaus-Konzept setzt man mit der Aktion „Kunstfenster“ vom 26. März bis 30. April 2004 einen neuen Akzent: Neun Künstler zeigen in acht Gebäuden der Altstadt ihre Arbeiten und sorgen für ansprechende Optik. Walter Meile, der schon beim Brauhausprojekt als Ideengeber und zupackender Organisator fungiert, hatte bereits letztes Jahr die Idee leerstehende Schaufenster in der Stadt wenigstens zeitweise zu beleben. Dabei gibt es angesichts des allgemeinen Rückgangs im Einzelhandel landesweit schon länger entsprechende Beispiele. Meile verweist auf eine Internetplattform dazu (www.arthopping.de), auf der sich Immobilienbesitzer, Stadtmarketingleute und Kreative zusammenfinden und Ausstellungskontakte hergestellt werden.
Leerstehende Läden sind keine Zierde und da kam einem die Idee, Künstlern ansonsten unbezahlbare Räumlichkeiten für Ausstellungs- und Verkaufszwecke zu überlassen. Zitat: Der Begriff beschreibt eine in Deutschland neue Ausstellungskultur, die durch eine besondere Mobilität gekennzeichnet ist. In Ingolstadt wurden die ersten Impulse für ArtHopping gesetzt. Das Fachmagazin City- und Stadtmarketing hat die Idee aufgegriffen und diese Börse eingerichtet.
„Wir sind auf eine gute Resonanz gestoßen“ betont Walter Meile. Allerdings bekam man bei zwei wichtigen Projekten (am Rödertor und im Bahnhof) eine Absage, wenngleich mit der ja erfreulichen Begründung, die Räume seien bereits weitervermietet. Problemlos waren die anderen acht Schaufenster zu bekommen. Ferner gibt es mit den Häusern Herrngasse 34 am Burgtor und der Klingengasse 8 sogar zwei begehbare Kunstorte. Hinzu kommen als Fenster die Klingengasse 15, der Alte Stadtgraben 1, der Alte Stadtgraben 28, die Rödergasse mit dem ehemaligen Mainkaufhaus, die Wenggasse 8 und die Spitalgasse 7.
Wenn möglich möchte Walter Meile versuchen die Kunst-Fenster auch in die Nachtstunden hinein zu beleuchten. Und es soll sogar ein oder zwei Kunstfenster-Führungen durch Hans Gustaf Weltzer geben, der selbst zu den Ausstellenden gehört. Weiter sind als Künstler (mit Bildern soweit nicht anders angegeben) dabei: Bernhard Karlstetter, Pawel Komorek, Burkhard Moser (Bronzeobjekte), Kids (eine Gruppe der Grundschule), Doris Pürckhauer-Haburaj, Frank Respondek mit Fotoarbeiten, Petra Freund und Willy Kammleiter (Lichtobjekte).
Künstlerische Akzente dort zu setzen, wo sonst eine gähnende Leere herrscht, ist ein kleines hoffnungsvolles Zeichen. Natürlich braucht die Aktion auch finanzielle Unterstützung, die damit verbundene Arbeit geschieht ehrenamtlich. Spenden sind über die VR-Bank Nr. 72087 oder über das mit unterstützende neue Kulturforum unter Sparkasse Kto. 632000 möglich, hier unbedingt mit dem Stichwort „Kunstfenster“ zur Zweckbindung.
Genauso erfreulich wie diese Aktion ist auch das, was sich bereits für die Kulturbrauerei zum dritten Mal in Vorbereitung befindet. „Richtungen“ heißt die Überschrift für die Ausstellung mit über zehn Künstlern unterschiedlichster Stile aus der Region. Termin ist vom 22. bis 31. Mai. Und im dieses Jahr zweigeteilten Kulturangebot im Brauhaus geht es vom 16. bis 25. Juli 2004 spannend weiter unter dem Titel „Berliner Landpartie“. Dann zeigen nämlich neun Kunstschaffende der Hauptstadt ihre Arbeiten, von Installationen über Malerei und Fotografie bis zu Objekten und Grafiken.
Es war bereits in den ersten beiden Jahren der Kulturbrauerei bemerkenswert, was Walter Meile und Team sowie die Teilnehmer gemeinsam auf die Beine gestellt haben – und das im Wesentlichen aus eigenen Kräften. Stadt und einige Geschäftsleute hatten als Sponsoren mitgeholfen. Die sind auch jetzt wieder dringend nötig für viele Aufgaben (Konto dafür bei der Sparkasse Rothenburg 613844). Benötigt werden auch Materialspenden wie Farbe, Holzplatten, Lampen, Rigipsplatten, Folien etc. Es fallen Transportkosten und Honorare an, Versicherungen sind zu bezahlen und Druckerzeugnisse herzustellen. Zwischen den genannten Hauptveranstaltungen plant das Kulturbrauerei-Team aber noch „kleinere Überraschungen“ wie es heißt.
Nächste Woche am Freitag, 26. März, findet zunächst einmal die Ausstellungseröffnung der Kunstfenster-Aktion statt und zwar im Haus Herrngasse 34 am Burgtor. Alle Interessierten sind dazu eingeladen. Internetfreunde finden unter der neuen Adresse www.kunstort-rothenburg.de Informationen sowohl dazu wie auch über das Kulturbrauhaus. Dass die Stadtverwaltung das Vorhaben wieder unterstützt wird besonders betont. diba, 19.03.2004 nach oben |
 | Walter Meile im Treppenhaus des alten, aber insgesamt keineswegs baufälligen Industriedenkmals. diba-fotos
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Kulturbrauhaus: Walter Meile zieht gute Bilanz
Für dritten Anlauf mit neuen Ideen ROTHENBURG – Brauhaus, Kulturhaus, Blauhaus, Tagungshaus? Wie auch immer, das Alte Brauhaus, lange vergessen, ist im Gespräch. Und nach der zweiten erfolgreichen Kulturveranstaltung wird deutlich, dass dieses aus dem Beginn des letzten Jahrhunderts stammende denkmalschutzreife Bauwerk keineswegs baufällig ist und außerdem viele innere Werte besitzt. Walter Meile, der die Kulturbrauerei ins Rollen brachte, will auch 2004 wieder ähnliches organisieren.
Nach dem großen, geglückten Wagnis letztes Jahr, hatte man diesmal schon nutzbare Erfahrungswerte. Durch die Hinzunahme von Räumen im Erd- und Obergeschoss sowie die Terrasse zum Tal hin, wurde die zweite Kulturbrauerei-Veranstaltung noch interessanter. Und außerdem zeigte sich, dass man das Gebäude Raum um Raum erobern kann, wenn man nur wollte.
Denn auch im ersten Obergeschoss könnten – nach nicht allzu aufwendigen Sicherungsmaßnahmen – noch Ausstellungsmöglichkeiten geschaffen werden.
„Wir sind sehr zufrieden“, zieht Initiator Walter Meile (Idee und Konzeption) Bilanz. Er hat mit einem „harten Kern“ von einer handvoll Leuten (Stadtrat Dieter Seiferlein, Jo Knoll und Henrik Jaworski) das Brauhaus in ein beeindruckendes Kulturobjekt verwandelt. Dabei halfen neben den zahlreichen ausstellenden Künstlern auch viele örtliche Sponsoren. Das reichte von Geldspenden bis zu Sachspenden wie Farbe, Folien oder Getränken. Im letzten Jahr waren die geplanten drei Ausstellungstage kurzfristig auf eine Woche verlängert worden, diesmal hatte man gleich eine Woche vom 19. bis 27. Juli festgelegt.
Allein zur Eröffnung waren 200 Besucher gekommen und 100 bis 150 Leute dürften nach Meiles Schätzung pro Tag den Weg ins Brauhaus gefunden haben. Alles in allem denkt er, dass rund zweitausend Leute dagewesen sein dürften. Darunter befanden sich auch viele ältere Rothenburger, die sich freuten mal das alte Brauhaus in dieser Funktion wiederzusehen. Alle Angebote waren gut besucht, lediglich am Abschlusssonntag ging nichts mehr.
 | Dokumenta-Anklänge im Brauhaus: Objekt von H.-G. Weltzer, Bilder von Eiichi Takeyama. | Die Konzeption eine Ausstellung aus Bildern, Installationen und Objekten mit täglichen Zusatzveranstaltungen zu kombinieren ist gut angekommen. Sinnvoll war es auch neben eintrittspflichtige einige eintrittsfreie Veranstaltungen zu stellen. Walter Meile betont die Aufgeschlossenheit der Stadtverwaltung. Oberbürgermeister Hachtel hatte das Projekt von Anfang an befürwortet. Allerdings gab es in diesem Jahr bedauerlicherweise keinen Zuschuss der Stadt, lediglich die Räume und die Energiekosten blieben ohne Berechnung.
„Dank Spenden und Eintrittsgelder haben wir es trotzdem geschafft die Kosten zu decken und ein paar Euro übrig zu haben”, stellt Walter Meile fest. Dabei basiert diese Rechnung nur auf dem ehrenamtlichen Einsatz der Aktiven und der Künstler, denn sonst wäre ein solches Vorhaben nur mit kräftigem Defizit abzuschließen.
Nach der Vorstellung des Kulturbrauerei-Teams möchte man nächstes Jahr bereits im Mai eine Kulturwoche anbieten. Allerdings wird dies noch mit der Stadt zu besprechen sein, wobei man auf weitere Unterstützung und Zusage hofft. Meile denkt daran 2004 auch das große Außengelände als Veranstaltungsort hinzuzunehmen und außerdem könnte man mit der entsprechenden Hilfe des Stadtbauamtes auch im ersten Stockwerk ein paar Ausstellungsräume dazugewinnen.
Immerhin waren insgesamt rund 35 Künstlerinnen und Künstler an der Kulturbrauerei 2003 beteiligt, darunter auch manche „Neuentdeckung“. Dass selbst der Vorsitzende des etablierten Künstlerbundes, Peter Nedwal, mitmachte, wird positiv vermerkt. Schließlich werden die Brauhauskünstler allzuschnell einer Art „Alternativbewegung“ zugeordnet – wobei gute Alternativen zum bestehenden Traditionellen nur von Vorteil sein können.
Vom Gedanken im Herbst wieder eine Veranstaltung im Brauhaus anzubieten, ist man abgekommen, um nichts zu verwässern. Statt dessen will man langfristig für den Mai 2004 planen. Aber Walter Meile hat noch mehr Ideen. So denkt er an ein Altstadt-Projekt „Kunst in leeren Läden”. diba, 15.08.2003 nach oben |
 | Schattenriss des Saxophonisten vor einem projizierten Foto von Frank Respondek beim Jazz-Konzert im Brauhaus. Foto: Düll
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Konzert mit Fotokunst-Präsentation in der Kulturbrauerei
Hüllenlos vor blätterndem Stein ROTHENBURG – Die Kunst in der Kulturbrauerei wirkt zwar nicht in allen Facetten so maßgeschnitten wie im vorigen Jahr. Zum Eingepflanzten hat sich auch Ausgestelltes gesellt. Dennoch: Das „Blauhaus“, so der Titel der laufenden Kunstwoche, ist eine konsequente und stimmige Fortentwicklung – nicht zuletzt wegen des zusätzlichen Spektrums an Bühnen-Shows.
Mit Swing und Modern Jazz unterhielt jüngst das „Lehrberger Jazz Quartett“ ein ebenso stattliches wie dankbares Publikum. Die Combo um den Rothenburger Musikschullehrer Oswin Voit gefiel mit innig arrangierten, stimmungsvoll interpretierten Standards (Piano, Gesang: Irene Ostertag; Schlagzeug: Stefan Ziebell). Profil zeigte insbesondere Saxophonist Dieter Müller mit erdigem Swing oder Preziosen à la John Coltrane.
Dabei lieferten die Musiker zugleich den „Soundtrack“ zu einer Fotokunst-Projektion. Die allerdings spielte sich leider weitgehend im Rücken des Publikums ab. Schade deswegen, weil es sich bei der effektvollen Präsentation um den wohl intensivsten Dialog zwischen Ort und Kunst handelt.
Der Schöpfer, der Rothenburger Fotograf Frank Respondek, bereicherte bereits im vergangenen Jahr die Galerie mit Wechselwirkungen zwischen Kunst und Raum.
Jetzt gelang ihm mit einem eigens geschaffenen Zyklus eine starke Synthese zwischen der von der Zeit gezeichneten Kulisse des Brauhauses und einer ebenso jungen wie reifen Aktfotografie. Im Spannungsfeld von backsteinroher, apparaturentechnischer Raumästhetik und weiblicher Schönheit entsteht eine kunstvolle Erotik, gewürzt mit metaphorisch-frivolen Anspielungen. hd,
24.07.2003 nach oben |
 | „Circus Maximus“ im Maischebottich: Die Installation greift augenzwinkernd das Thema Stadtentwicklung auf. Fotos: Weber diba-fotos
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Die zweite Brauhaus-Kunstschau eroberte die Herzen des Publikums
„Blauhaus“ der pfiffigen Anspielungen ROTHENBURG – So manches virtuose Kunststückchen aus dem Rathaus hat wohl bei uns allen schon einmal die Ahnung reifen lassen, hier könnten nur Artisten am Werk sein. Ein Besuch in der Kulturbrauerei „Blauhaus“darf in dieser Hinsicht zum Aha-Erlebnis werden. Unter dem Titel „Circus Maximus“ zieht dort, im alten Maischebottich, ein kleine Installation die Aufmerksamkeit auf sich und sorgt für Schmunzeln. Alles ist angerichtet für den längst überfälligen halsbrecherischen Sprung des OB und des gesamten Stadtrates in Sachen Stadtentwicklung.
Auch sonst pflegen die Kunstschaffenden bei dieser etwas anderen Werkschau mit Vergnügen den frechen Seitenhieb. Ganz zur Freude und zur Inspiration des Publikums. Ein auf dem Kopf stehendes „Radhaus“, im Innern eine Ansammlung von Aktendeckeln, das die Warnung gegen die Dummheit nachdrücklich unterstreicht, sei hier nur als eines von etlichen weiteren Beispielen erwähnt.
Die Ausstellung der insgesamt 16 Künstler aus Rothenburg und Umgebung kann mit einer ganzen Reihe erfrischend geistreicher Anspielungen und einer überaus unkonventionellen Note der Präsentation aufwarten. Schon erstaunlich, was die Szene zu bieten hat. Was hier im Einzelnen gezeigt wird und besonders auch die daraus entwickelte abwechslungsreiche Mischung der verschiedenen Kunstformen gerät dem Ambiente zur Frischzellenkur.
 | Kunst und Raum in spannender Beziehung. | Mit seinem morbiden Charme, aber auch mit seiner in weiten Teilen erstaunlich gut erhaltenen Technik zeigt sich das Industriedenkmal altes Brauhaus als idealer Rahmen für den recht spannungsgeladenen Austausch mit den Werken. Wer die Gelegenheit hat, sollte sich die bis zum kommenden Sonntag dauernde Schau nicht entgehen lassen.
Bei der Eröffnung am Freitagabend drängten sich die Besucher, darunter auch Oberbürgermeister Herbert Hachtel mit seiner Frau Anni und Bürgermeister Kurt Förster.
Hans-Gustaf Weltzer hielt stellvertretend für seine Künstlerkollegen die Eröffnungsansprache, die passend zur Veranstaltung etwas anders ausfiel. Zum Vergnügen des Vernissagen-Publikums reihte er kurzweilig humorig ausgedeutete Stichworte zur Schau und zum Drumherum aneinander.
Walter Meile freute sich bei der Freigabe zur Besichtigung als einer der Motoren und Organisatoren um Jo Knoll und Dieter Seiferlein über die zweite Kunstkampagne im Brauhaus nach 2002. Ob er, seine Mitstreiter und natürlich auch das Publikum auf eine dritte im kommenden Jahr hoffen dürfen?
Stefan Sell erwies sich am ersten Abend mit seiner klassischen Konzertgitarre als richtige Wahl. Mit brilliantem Können ließ er Werke aus seinem aktuellen, spanisch geprägten Repertoire erklingen. Bei eigens gebrautem Blauhaus-Bier aus Rothenburger Erzeugung ließ das Publikum die gesammelten Eindrücke nachklingen und genoss diesen Kultursommerabend in Rothenburg.
ww, 20.07.2003 nach oben |
 | Vor reizvoller Theaterkulisse: Adalbert Wiech im derzeit von Kunst bewohnten Brauhaus Fotos: Düll
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Kulturkritik: Adalbert Wiech begeistert im „Blauhaus“
Theater pur ROTHENBURG – Das alte Brauhaus, ein Schauspielhaus? Auch als Theaterkulisse hat das morbid-dornröschenhafte Industriedenkmal seinen Reiz, wie das Gastspiel des versierten Solo-Mimen Adalbert Wiech zeigte. Im sanften Sog eines Fastheimspiels zog es erfreulich viele Zuschauer in die Vorstellung am Samstagabend. Adalbert Wiech, der bei Fürth lebt, ist dieserorts kein Unbekannter. Schon in den Achtzigerjahren fesselte er „Unter den Linden“ das Publikum mit seinem hoch energetischen, ausdrucksstarken Einmann-Theater aus der Feder des italienischen Dramatikers Dario Fo (1997 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet).
In dessen politisch engagierten Stücken vereint sich das Temperament des altitalienischen Straßentheaters mit dem Geist des kommunistischen Manifestes. Es sind dramatische Meister-Miniaturen, volksnah bis ironisch, auf einer zweiten Ebene aber auch dezent belehrend, ja agitatorisch und dabei dennoch unbrechtisch berührend.
Adalbert Wiech versteht dieses Gemisch auf kongeniale Art zu zünden: ein wahres Feuerwerk an Gebärden und quasi-pantomimischen Kniffen, mit der Wiech sein erstes von drei Fo-Stücken, die plakative Tragödie eines armen Bauern, vors innere Auge zaubert. Es wirkt, als hätte ein zigköpfiges Ensemble einen glänzenden Tag erwischt: Szenen von reiner Rührseligkeit bis hin zu barbarischer Schärfe hinterlassen Leuchtspuren des Vergnügens und der Nachdenklichkeit. Aus Dreck macht der Landmann Gold, um dann vom Patron ruiniert zu werden. Doch die Fabel, beschwert von Vergewaltigung und Tod, befreit sich schließlich in läuternder Angriffslust eines schelmischen Revoluzzertums.
Nicht weniger aufrührerisch die zweite der „obszönen“ Geschichten. Sie lässt alsbald ihre historische Hülle (14. Jahrhundert, Zeit des doppelten Papsttums) fallen und entpuppt sich als derber Spaß mit subversiver Fußnote. Zunächst bezieht Wiech die Zuschauer ins Spiel ein, um dann selbst die grell komische Artillerie zu geben. Zentnerweise lässt er die Geschosse aus Exkrementen quasi an der inneren Nase vorbei über die Burgzinnen fliegen. Wem da nicht die Lust kommt, so richtig auf alle Obrigkeit zu schei….!
Nach der Pause dann eine Farce, die ebensoviel Komik wie Poesie entwickelt. Der arglose Giovanne wird über die Frauen an der Nase herum geführt, und durchleidet eine wahrhaft tragikomische Odyssee, die Adalbert Wiech, der multiexpressive Mime, mit Gesichtern schmachtender Verzückung und Betrübnis, mit brennenden Tränen und rauchenden Sohlen in die Herzen der Zuschauern trägt. Theater pur, Begeisterung pur im Schauspiel-„Blauhaus“.
hd, 21.07.2003 nach oben |
 | Viel zu schade zum Abriss: das alte Brauhaus wird kurzzeitig Veranstaltungsort. diba-fotos
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Das Brauhaus wird diesmal ein Blauhaus werden
Kunst und der Reiz des Maroden ROTHENBURG – Erneut rückt das alte Brauhaus vor dem Klingentor ins Licht der Öffentlichkeit: Unter dem Stichwort „Kulturbrauerei“ finden nach dem letztjährigen Debüt erneut Kulturtage statt. Diesmal mit einem besonders vielseitigen Programm und außerdem in zusätzlichen Räumen. Am Freitag nächster Woche, dem 18. Juli, hoffen die Initiatoren auf einen guten Besuch zur Eröffnung bei klassischer Gitarrenmusik.
Das kleine Team um den Initiator und Organisator Walter Meile hat sich einiges zugemutet und lässt bereits die Vorbereitungen mit großem Engagement anlaufen. Sowohl dabei wie auch bei der Programmgestaltung zeigt man angesichts fehlender Finanzmittel bemerkenswert viel Kreativität, außerdem gilt es tatkräftig zuzupacken, um die Räume auf Vordermann zu bringen. Dass die Stadt das Vorhaben unterstützt und außerdem noch einen weiteren kleinen Trakt für Ausstellungszwecke geöffnet hat, freut das Organisatorenteam ganz besonders.
Die fast alle in unterschiedlich gutem Zustand erhaltenen, meist mit der Patina des Alterns überzogenen Einrichtungen und Apparaturen in den Räumen mit Stahlkesseln, Eisentreppen, Mahlwerk und Installationen sind schon allein einen Besuch wert, ja, sie würden schon fast genügen, um ein Industriemuseum der Braukunst daraus zu machen. In Verbindung mit einer kleinen gastronomischen Bewirtschaftung und bei regelmäßigen Veranstaltungsangeboten ließe sich so bestimmt neues Leben ins alte Gemäuer bringen. Der Wunsch von OB und Stadtrat dort ein Tagungshotel zu etablieren hat sich in den letzten Monaten gründlich zerschlagen und so ist die Brauhauszukunft weiter ungewiss.
 | Organisator Walter Meile vor dem Sudkessel in einem neu erschlossenen Raum. diba-fotos | Umso erfreulicher, wenn sich nun die Kulturinitiative fortsetzt. Walter Meile steckt voller Ideen und kann sich bei gutem Erfolg der diesjährigen Veranstaltung vorstellen, dass die Räume auch danach für bestimmte Angebote zu nutzen wären. Zum engen Team gehört mit Dieter Seiferlein auch ein Stadtrat, der sogar selbst kräftig mit zupackt und für die Technik zuständig ist. Jo Knoll hat die Werbung übernommen und Henrik Jaworski hat eine moderne und sehr popige, aber zum Thema gut passende, Website für das Internet gestaltet (www.brauhaus-a.de). Insgesamt vierzehn Handwerksbetriebe, die Stadtwerke und Einzelhändler stehen auf der Liste der praktischen Helfer, die mit Materialspenden oder Geld dem ehrenamtlichen Team unter die Arme greifen. Doch weitere Unterstützung ist dringend notwendig, um am Ende nicht noch draufzahlen zu müssen.
Am 18. Juli um 20 Uhr wird das Brauhaus als „Blauhaus“ eröffnet. Alle Fenster werden mit blauer Folie verhängt sein, eine Idee von Doris Pürckhauer-Haburaj. Blau löst Assoziationen an vieles aus: von der Blauen Blume der Romantik über blauen Dunst bis zur blauen Stunde. Es wäre eine kleine Anerkennung für die Organisatoren und Mitwirkenden, wenn schon zur Eröffnung (bei freiem Eintritt) ein illustres Publikum käme.
Am Samstag, 19. Juli, geht es mit dem Ein-Mann-Theater Adalbert Wiech („Obszöne Geschichten nach Dario Fo”) weiter und am Sonntag spielt die Mädchen-Rockband „No Fuse“. Es folgen ein Vortrag über Feng Shui (Montag) und ein Auftritt des Lehrberger Jazz-Trios (Latin-Swing-Fusion-Stil) am Dienstag. Diese Veranstaltungen kosten jeweils fünf Euro Eintritt, um wenigstens die Grundkosten decken zu können.
Der Autor Gunter Haug (er hat das Buch über Marie Staudacher geschrieben) und Anita Bone-Czerniejewski lesen am Mittwoch, 23. Juli, aus dem Buch „Tauberblau“. „Lügen wie gedruckt” heißt die tags darauf folgende Lesung mit Bernhard Karlstetter. Es folgen ein Comedy Theater, Musikalisches vom Jugendzentrum und eine Abschluss-Party am Sonntag, 27. Juli. Beginn ist immer um 20 Uhr.
Die einwöchige Kunstausstellung in den alten Brauhausräumen verspricht eine bunte Vielfalt. Beteiligt sind: Burkhard Moser, Bernhard Karlstetter, Doris Pürckhauer-Haburaj, Eiichi Takeyama, Frank Respondek, Gertraud Behringer, Günther Heckemann, Hans Gustaf Weltzer, Janette Doberstein, Lothar Lempp, Markus Hau, Peter Nedwal, Petra Freund, Udo Keule und Willy Kammleiter.
Wer die idealistische Kulturarbeit fördern möchte, kann auf das Sparkassenkonto 613844 (BLZ 76551860) eine Geldspende überweisen oder praktische Hilfe bieten.
diba, 03.07.2003 nach oben |
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